
Dabei ist der US-Amerikaner Covington schon seit Freitag in Bremerhaven. Aber sein bisheriger rumänischer Verein BC Mures Targa verweigert die Freigabe. „Wir haben bereits den Weltverband FIBA eingeschaltet“, sagt Eisbären-Manager Jan Rathjen – aber das half seinem Team gestern natürlich nicht.
Dabei fing die Partie vielversprechend an. In den ersten Minuten lag das vor allem an John Allen, der gegen seinen alten Verein wie unter Strom spielte, zwei schnelle Gegenstöße verwandelte, unmögliche Rebounds eroberte und immerzu den Ball forderte. Nach drei Minuten führte Bremerhaven schon 10:2.
So ging es nicht weiter, auch weil die Eisbären danach ein bisschen lässig mit ihren Chancen waren. Blitzschnelle Pässe darf man ruhig mal fangen, und dass Sean Denison unbedrängt einen Korbdanebenleger zeigte, konnte man kaum glauben. Es reichte aber nach zwei Vierteln zu einer 44:43-Führung, der Spielverlauf hätte auch einen höheren Vorsprung erlaubt. Niemand ahnte in der Pause, welches Desaster noch vor den Bremerhavenern lag.
„Wieso schickt Spradley nicht Brazelton zurück aufs Parkett?“, fragten sich immer mehr Zuschauer, aber irgendwann dämmerte es allen: Der Mann ist verletzt. „Adduktoren-Probleme“, verriet der Trainer nach der Partie, „diesmal auf der rechten Seite.“ Zwei Wochen fiel Brazelton aus, als er vor kurzem die gleichen Beschwerden auf der linken Seite hatte, wie lange es diesmal dauert, ist ungewiss.
So mühte sich Lipke auch im letzten Viertel auf der ungewohnten Position, setzte nun aber seine gewohnten Qualitäten ein, zu denen vor allem der ungestüme Zug zum Korb gehört.
Damit leitete der Kapitän eine erstaunliche Phase ein, die die Eisbären fast noch einmal heranbrachte. Er verwandelte zwei Freiwürfe, haute einen Dreier rein, nahm frech dem Braunschweiger Spielmacher Tony Skinn den Ball ab – Lipke war voller Adrenalin, am Ende hatte er 19 Punkte auf dem Konto, die Eisbären bäumten sich auf, die Zuschauer johlten und schrien. Aus einem 63:75 wurde ein 72:78 – aber dann platzte der Traum: Zwei Dreier von Braunschweig waren wie zwei Ohrfeigen. Der Widerstand war gebrochen. Am Ende leistete Bremerhaven sich sogar erneut vier Minuten ohne jeden Punkt – und einen 0:16-Lauf.
Trotz der dreistelligen Niederlage gab sich Trainer Doug Spradley milde. Zwar sagte er, der Ausfall sämtlicher Spielmacher dürfe keine Ausrede sein, aber dann ließ er genau das doch als Ausrede gelten. Sein Trost für die nächsten Wochen: „Wir nehmen noch zwei Spieler unter Vertrag.“ Selbst wenn es keine Freigabe für Covington geben sollte: Rathjen hat auch einen Plan B in der Schublade („der Vertrag ist schon unterschrieben“), und sogar einen Plan C.
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