"Härringers Spottschau" in der Losche.
"Härringers Spottschau" in der Losche. Foto Schimanke

Sepp Blatter trauert er nach

„NZ+Ich“-Aktion: Christoph Härringer erklärt den Lesern der NORDSEE-ZEITUNG die Welt seiner beliebten Fußballcomics.

Der Text kann noch so spannend sein, die Schlagzeile noch so knackig – sonnabends haben die Sportredakteure der NORDSEE-ZEITUNG beim Buhlen um die Aufmerksamkeit der Leser keine Chance. Der erste Blick der Sportfans geht ans untere Ende der ersten Sportseite, auf den Fußballcomic von Christoph Härringer. Am Montag war der Zeichner zu Gast in der „Losche“.

Im Wasserturm im Leher Stadtpark gab der 53-Jährige 50 Lesern im Rahmen der Aktion „NZ+Ich“ einen Einblick in seine Arbeit. „Eigentlich habe ich vom Fußball keine Ahnung“, kokettiert Härringer, und vielleicht liege darin schon das Geheimnis seines Erfolges. Denn das Drumherum um den Fußballzirkus sei oft viel lustiger als der bierernste Sport.

Beckenbauers Affären, Blatters Machenschaften oder das ewige Chaos auf Schalke. Seit mehr als zehn Jahren zeichnet Christoph Härringer Woche für Woche einen Comic für die NORDSEE-ZEITUNG und viele andere Zeitungen in Deutschland und nimmt den Fußball in „Härringers Spottschau“ auf die Schippe. Rund 750 Zeichnungen sind bisher erschienen. Und natürlich kennt sich Härringer in Wirklichkeit richtig gut aus im Fußball, denn es gilt immer, das Thema der Woche zu treffen. Und das gelingt meistens vortrefflich.

„Die Mischung aus guten Ideen und guten Zeichnungen ist super bei ihm. Der Comic ist immer das Erste, was ich mir sonnabends anschaue“, sagt NZ-Leser Hartmut Paul aus Bremerhaven. Und auch Christa Pfeif aus Bad Bederkesa ist begeistert: „Ich wundere mich, wo er immer die guten Ideen herbekommt.“ Der Künstler selbst ist da viel kritischer: „Nicht jeden Comic fand ich selbst witzig“, gibt der gelernte Trickfilmzeichner zu und offenbart damit den Anspruch, den er an sich und seine Comics hat.

Die zu zeichnen, ist harte Arbeit, wie Härringer berichtet. „Das meiste ist Schreibtischarbeit. Wenn ich rumlaufe und auf eine Inspiration warte, passiert gar nichts“, sagt der gebürtige Freiburger, der inzwischen in Berlin lebt. Zwei bis drei Tage dauere es, einen Comic zu entwickeln, erzählt Härringer. Dann saugt er die Informationen aus den Zeitungen, dem Fernsehen und dem Internet auf, um ein Thema zu finden. „Drei Viertel der Zeit wende ich dabei für die Idee auf“, sagt er. Der Rest sei Handwerk. Und das beherrscht er nach all den Jahren aus dem Handgelenk, wie er den NZ-Lesern eindrucksvoll demonstriert. Ein paar Pinselstriche auf dem Zeichenprogramm des Computers, schon ist Mesut Özil erkennbar.

Wichtig sei, die charakteristischen Merkmale einer Figur herauszuarbeiten. Dafür brauche er manchmal eine Weile, an manchen Spielern scheitere er auch, gibt der 53-Jährige zu. „Am liebsten zeichne ich Figuren, die etwas Besonderes haben. Uli Hoeneß zum Beispiel oder Jogi Löw.“ Die Schnelllebigkeit des Fußballgeschäfts macht ihm dabei das Leben schwer, wie er schmunzelnd berichtet. „Sepp Blatter kann ich zum Beispiel mittlerweile ziemlich gut – den brauche ich jetzt aber nicht mehr.“ Das rasante Tempo sei ohnehin einer seiner größten Gegner. Nicht selten habe er einen fertigen Comic am Freitag kurz vor Redaktionsschluss noch ändern müssen, weil der Gag durch die aktuelle Entwicklung überholt worden sei.

Beispiele aus seiner Arbeit hat Härringer zuhauf mitgebracht, um sie den Besuchern in der „Losche“ auf der Leinwand zu zeigen. Man staunt, an wie viele Zeichnungen man sich erinnert, auch wenn sie schon Jahre alt sind. Und die Besucher schmunzeln, wenn Härringer einige ganz besondere Zeichnungen zeigt – solche zum Beispiel, in die er seine Frau oder seine Kinder als Statisten hineingezeichnet hat.

Ganz zum Schluss präsentiert der Zeichner auch noch einen Comic, der nie in einer Zeitung erschienen ist. Den hatte er vorbereitet für den Fall, dass Deutschland bei der WM 2014 im Viertelfinale gegen Frankreich ausgeschieden wäre. „Vielleicht kann ich den im Sommer bei der EM wieder ausgraben“, sagt Härringer, „aber ich hoffe, ich muss das nicht.“