Strahlende Gesichter in schwindelerregender Höhe: Ausbilder „Joe“ Hemken (links) und Michael Holle flankieren die NZ+Ich-Teilnehmer Heike Thewald, Dietmar Schieke, Ulrich Eisert und Uschi Schieke auf dem Ausleger einer Containerbrücke. Foto: Barthel
Strahlende Gesichter in schwindelerregender Höhe: Ausbilder „Joe“ Hemken (links) und Michael Holle flankieren die NZ+Ich-Teilnehmer Heike Thewald, Dietmar Schieke, Ulrich Eisert und Uschi Schieke auf dem Ausleger einer Containerbrücke. Foto: Barthel

Schwindelfrei muss man sein

Von Heye BarthelBREMERHAVEN. Kräne und Masten ragen in den Himmel, Container stapeln sich zu wahren Gebirgen, bis zu 400 Meter lange Schiffe liegen an der Pier und von allen Seiten kommen Züge, Van Carrier und Lkw. Für den Laien das reinste Chaos, aber Alltag für die Profis von Eurogate. Vier NZ-Abonnenten hatten jetzt bei einer „NZ+Ich“-Aktion die Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen.

Die Zahlen sprechen in Superlativen: Fünf Kilometer durchgehende Kaje,  2,7 Millionen umgeschlagene Container, 48 Containerbrücken mit einem Gesamtgewicht von circa 110000 Tonnen und Arbeitsplätze in einer Höhe von 50 Metern. Das Eurogate-Terminal an Bremerhavens Container-Kaje weiß immer wieder mit erstaunlichen Fakten zu beeindrucken. Die vier glücklichen Gewinner der Auslosung zum NZ+Ich-Termin kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Dass die hier den Überblick nicht verlieren“, wundert sich NZ-Leserin Uschi Schieke wiederholt.

„Die größte Werkstatt des Landes Bremen“

Vom Gatehaus startend führt die von Ausbilder Joachim „Joe“ Hemken geleitete Besichtigung vom sogenannten Blockstau, sechs-Einheiten-hohen Bergen von leeren, abrufbereiten Containern, vorbei an der 24 Stunden am Tag besetzten Werkstatt für die 350 Van Carrier des Terminals. „Die größte Werkstatt des Landes Bremen mit 120 Mitarbeitern“, sagt Hemken stolz. Daneben warten ganze Züge voller Energy-Drinks aus Österreich auf ihre Verladung, während an den Chassis-Plätzen emsiges Treiben bei der Be- und Entladung ankommender Lkw herrscht.

Absolutes Highlight der Führung für alle Teilnehmenden, und eine äußerst seltene Gelegenheit, ist jedoch die Besichtigung einer Containerbrücke. Die riesigen, bis zu 2300 Tonnen schweren Kräne am Rand der Kaje offenbaren erst aus nächster Nähe ihre wahren Dimensionen. „Nie nach unten gucken“, rät Klaus-Peter Schulze, Ausbildungskoordinator beim Eurogate-Terminal Bremerhaven, seinen Gästen im Vorfeld. Und obwohl alle Besucher ihre Höhentauglichkeit zusagen mussten, lässt sich bei dem ein oder anderen ein mulmiges Gefühl nicht unterdrücken. „Ein bisschen schwitzige Hände habe ich dann doch“, gesteht Heike Thewald nach der Fahrstuhlfahrt zum Arbeitsbereich des Brückenführers. Der Ausblick aus der gläsernen Kanzel entschädigt für leichte Panikanflüge.

In 50 Metern Höhe

Pünktlich zum Sonnenuntergang schweift das Auge weit über die Weser Richtung offene See, die Containerriesen darunter muten wie Spielzeug an. Währenddessen lässt Eurogate-Ausbilder Michael Holle die Kanzel entlang des Auslegers 60 Meter über den Kajenrand und die darunter fließende Weser hinausfahren. „Sechs Wochen dauert die Ausbildung zum Brückenfahrer“, erklärt er. „Danach wird noch ein Jahr begleitet gearbeitet“. Ob man da nicht den ganzen Tag nur die Aussicht genießen möchte, will Leser Ulrich Eisert wissen. „Irgendwann ist das ein Arbeitsplatz wie jeder andere – nur halt in 50 Metern Höhe“, schmunzelt Holle.

Bei einem abschließenden Buffetempfang in der oberen Etage des Eurotop-Gebäudes konnten alle Teilnehmer noch einmal den Blick über das gesamte, nächtlich erleuchtete Areal genießen. „Ich bin immer noch überwältigt von den Dimensionen“, fasst Dietmar Schieke stellvertretend für alle das Erlebte zusammen.