Leserin Irmtraud Eilers hat gut lachen: Rettungsassistent Martin Thurau demonstriert nur, wie die Vitalfunktionen überprüft werden. Foto Brocks
Leserin Irmtraud Eilers hat gut lachen: Rettungsassistent Martin Thurau demonstriert nur, wie die Vitalfunktionen überprüft werden. Foto Brocks

Schnelle Hilfe im Notfall

Bremerhaven. Im Herzkatheterlabor liegt ein älterer Herr auf dem Behandlungstisch. Auf dem Monitor im Nebenraum: das Bild seiner Arterien. Professor Rüdiger Dißmann, Chefarzt der Kardiologie, und zehn Leser der NORDSEE-ZEITUNG schauen neugierig zu, wie ein schmaler Draht sich langsam Richtung Herz vorantastet. Bei einer „NZ+Ich“-Aktion verfolgten sie im Klinikum Reinkenheide den Weg eines Herzpatienten – von der Notaufnahme bis zur ambulanten Nachversorgung in der kardiologischen Praxis.

„Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute“ betont Dißmann. Kann das Herz nicht ausreichend mit Blut versorgt werden, stirbt wichtiges Gewebe ab. „Bei Brustschmerzen, die länger als zehn Minuten anhalten, sollten die Betroffenen daher unbedingt den Notruf informieren und sich schnell in ein geeignetes Krankenhaus bringen lassen.“ Oft jedoch würden die Betroffenen falsch reagieren, erst viele Stunden nach dem Infarkt den Notruf 112 anrufen oder sogar bis zum nächsten Morgen warten und dann zum Hausarzt gehen.

„Bei herzkranken Menschen spielt der Faktor Zeit eine wichtige Rolle“, mahnt der Kardiologe. „Noch in der Wohnung des Patienten wird daher auch ein EKG geschrieben.“ Die Werte können sofort an die Klinik oder an das Smartphone des diensthabenden Arztes verschickt werden. „Beim Eintreffen des Patienten in der Klinik steht dann ein entsprechendes Team bereit, um die Sofortmaßnahmen einzuleiten.“

Im Rettungswagen wird NZ-Leserin Irmtraud Eilers probeweise an die Überwachung angeschlossen: „Jetzt weiß ich, was auf mich zukommt, wenn einmal etwas passieren sollte“, sagt Eilers. Als gesunder Mensch habe sie alles ruhig interessiert verfolgt. „Im Ernstfall ist das vermutlich anders. Ich hoffe aber, dass ich nie in diese Situation komme.“

Weiter geht es durch die Notaufnahme ins Herzkatheter-Labor: Mit einer Sonde, die durch die Arterien bis zum Herz geschoben werden kann, können die Herzkranzgefäße kontrolliert werden. „Wenn der Patient das Herzkatheter-Labor lebend erreicht, hat er eine gute Überlebenschance“, erklärt Dißmann. Nach der Untersuchung bleibt der Patient erst einmal auf der Intensivstation, wird anschließend noch einige Tage auf der „Chest Pain Unit“, der „Brustschmerz Station“, überwacht.

„Die Nachkontrolle und Nachbehandlung ist sehr wichtig“, betont Dißmann. Ein zur Gefäßerweiterung eingesetzter Stent sorge nur kurzfristig für Sicherheit. Alle Patienten müssten Medikamente nehmen, einige zudem ihre Lebensgewohnheiten ändern. „Das geht nicht von heute auf morgen. Das muss man lernen“, weiß der Arzt. Um das Paket für Herzinfarkt-Patienten komplett zu schnüren, würden Dißmann und seine Kollegen am liebsten eine ambulante Rehabilitationsabteilung in Reinkenheide etablieren.

Vorbereitet für den Ernstfall

„Unglaublich, wo wir überall hinter die Kulissen schauen können“, staunt Bärbel Renker. Besonders interessiert habe sie die Herzkatheteruntersuchung: „Ich wusste nicht, dass man den Zugang über Leiste oder Arm legen kann.“ Als Begleitperson sei sie schon einmal in der Notaufnahme gewesen: „Aber da hat man etwas anderes im Kopf, schaut nicht so genau hin.“ Leser Heiko Edler ist überzeugt: „Jetzt wird man im Ernstfall ruhiger an die Sache herangehen.“