Matthias Nast zeigte den NZ-Lesern, wie aus einem Granitklotz eine Vogeltränke entsteht. Wer wollte, durfte auch selbst Hand anlegen. Foto: Brocks
Matthias Nast zeigte den NZ-Lesern, wie aus einem Granitklotz eine Vogeltränke entsteht. Wer wollte, durfte auch selbst Hand anlegen. Foto: Brocks

Schlag für Schlag zur Vogeltränke

Mit sicherer Hand führt Steinmetz Matthias Nast den Meißel über den Granitklotz. Steinsplitter spritzen, die scharfe Kante verschwindet. Stück für Stück verändert sich die Form. „Es gilt, den Stein zu besiegen“, sagt Nast und lacht. Dass das gar nicht so einfach ist, erfuhren zehn Leser der NORDSEE-ZEITUNG bei einer „NZ+Ich“-Aktion. Sie lernten unterschiedliche Materialien, Steinwerkzeuge und Bearbeitungstechniken kennen und durften auch selbst Hand anlegen.

Seit 1997 stellt Matthias Nast unter anderem Skulpturen, Brunnen oder Wasserspiele, aber auch Treppen, Fensterbänke und Hauseingänge her. „Die Arbeit ist schwer, anstrengend und staubig“, betonte Nast bei seiner Führung. Auch wenn inzwischen allerlei technische Hilfsmittel Einzug in die Werkstatt gehalten haben. Eine elektrische Säge etwa ermöglicht es ihm und seinen Kollegen, auch massives Gestein passgenau in Form zu bringen.

Auch Grabsteine entstehen in Matthias Nasts Werkstatt: „Früher habe ich jeden Entwurf mit der Hand gezeichnet, musste alles durchpausen und mit der Hand ausschneiden“, erklärte Nast. Heute entsteht ein erster Entwurf meist am Computer. „So können sich die Angehörigen besser vorstellen, wie das Ergebnis später aussehen wird.“ Ist die Entscheidung für Text, Schriftart und Ornamente gefallen, druckt Nast eine Schablone und greift zum Sandstrahlgerät. „Da es immer mehr Urnenbegräbnisse gibt, werden die Grabsteine immer kleiner“, sagte Nast. Das wiederum stelle ihn bei der Beschriftung manchmal vor Herausforderungen. „Wenn beispielsweise auch noch der Mädchenname zu lesen sein soll, wird es oft eng.“ Den Umgang mit trauernden Angehörigen ist Nast gewohnt. Der ein oder andere suche sich bei ihm aber auch noch zu Lebzeiten selbst einen Grabstein aus. „Ältere Menschen haben bei diesem Thema meist weniger Berührungsängste als die Jüngeren“, sagte Nast.

„Ich hätte nie geahnt, mit wie vielen Maschinen heutzutage gearbeitet wird und wie technisch das geworden ist“, sagte NZ-Leser Werner Karstens, der zu Hause gerne mit Holz und Ytong arbeitet. Bei Matthias Nast durfte er einmal ausprobieren, wie sich Granit und Sandstein bearbeiten lassen. „Den Unterschied merkt man sofort“, staunte der 79-Jährige, während er überflüssiges Material wegschlug. „Man darf auf keinen Fall etwas weghauen, was nicht weg soll“, mahnte der Experte. Fehlt eine Ecke, lässt sich das nicht mehr reparieren. „Man sollte vermutlich besser nicht unausgeschlafen zum Meißel greifen“, sagte Karstens und lacht.

„Im Sommer, wenn die Wasserspiele laufen, mache ich hier gerne eine kurze Pause und lasse mich inspirieren“, sagte Leserin Yvonne Schneider, die von den Fertigkeiten des Steinmetzes fasziniert ist. „Es ist interessant, was heutzutage alles machbar ist.“