X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

Was die Schöngeister des Islam schufen


Berlin. Erstmals in Deutschland: Aga Khan IV. stellt im Berliner Martin-Gropius-Bau seine einzigartige Sammlung islamischer Kunst vor. Von Roland Mischke


bild vergrößern
Auch die Gouache „Gayumars Hof“ (Ausschnitt), die 1522–1525 im Iran gemalt wurde und Sultan Muhammad zugeschrieben wird, ist in der Berliner Prachtschau zu sehen. Foto Aga Khan Trust for Culture

Gute Zeiten für Muslime in Deutschland und Deutsche mit Interesse an islamischer Kultur. In der jüngst eröffneten „Türckischen Cammer“ des Dresdner Residenzschlosses sind Prachtstücke der osmanischen Kultur ausgestellt, die noch nie zu sehen waren, auch die Berliner Ausstellung ist spektakulär. Bevor Aga Khan, das Oberhaupt der Ismailiten, seine Kostbarkeiten dauerhaft in sein Museum in Toronto gibt, darf man in der Hauptstadt gut 200 Gemälde, Manuskripte und Keramiken bewundern. Sie gehören zum Schönsten, was die islamische Kunst hervorgebracht hat.

Prinz Karim Aga Khan, 74, ist Oberhaupt von 20 Millionen Muslimen in mehr als 25 Staaten. Als liberale Gläubige stehen die Ismaeliten, eine Glaubensgemeinschaft der Schiiten, allen Strömungen des islamischen Fundamentalismus ablehnend gegenüber, setzen – dem Koran gemäß – auf Respekt gegenüber Anders- und Nichtgläubigen und vertreten demokratische Werte.

Aga Khan gilt ihnen als 49. direkter Nachfahre des Propheten Mohammed, zum Imam wurde er 1957 als 20-Jähriger von seinem Großvater Sultan Mohammed Schah auserwählt. Er war mit einem englischen Model und einer deutschen Adligen verheiratet, lebt bei Paris und in der Schweiz, ist bekannt als Mitglied des internationalen Jet-Set und Wohltäter.

Für den Wiederaufbau Afghanistans stiftete er 550 Millionen Euro, er kümmert sich um sauberes Wasser und Nahrung für Entwicklungsländer, unterstützt Universitäten und sichert mit seinem Architekturprogramm im Nahen und Mittleren Osten den Erhalt des kulturellen Erbes. Nebenher trug er eine exquisite Sammlung islamischer Kunst zusammen.

Persisches „Buch der Könige“

Die Werke im Gropius-Bau umfassen mehr als tausend Jahre Kulturgeschicht vom 8. bis 18. Jahrhundert. Dazu gehören das persische Heldenepos „Shahnama“ des Dichters Firdausi – das „Buch der Könige“ – und das älteste arabische Manuskript des „Kanons der Medizin“ vom Arzt und Philosophen Ibn Sina – das Buch war über 500 Jahre auch in Europa ein medizinisches Standardwerk. Außerdem sind einmalige Miniaturen zu sehen, eine Doppelseite des kostbaren „Blauen Korans“ aus dem 9. Jahrhundert und ein wunderschönes mongolisches Seidendamastkleid aus dem 13. Jahrhundert.

Dazu Keramiken, Metallgefäße, Zeichnungen, Holzarbeiten, Buchillustrationen und aufwendige Inschriften. Sie demonstrieren den Reichtum des Kulturraums zwischen Andalusien, dem Maghreb und indischen Mogulreich bis nach Fernost.

Die oft verfolgten Ismailiten kamen ursprünglich aus Ägypten. Nach dem Tod des Propheten Mohammed entschieden seine Anhänger, „Kalifen“ als Führer aufzubieten. Das waren Sunniten, die Ali, den Neffen und Schwiegersohn des Propheten, als legitimen Nachfolger verhinderten. So formierten sich deren Anhänger – die Schiiten, zu denen die Ismaeliten zählen – als Untergrundgruppe. Heute liegen sie als Volksgruppe oft im Clinch mit den Sunniten (vor allem im Irak). Die Schiiten gelten als religiöse Charismatiker und Schöngeister.

Das unterstreicht die Berliner Ausstellung, die diese Entwicklung in den Abteilungen „Das Wort Gottes“ und „Die Route der Reisenden“ plastisch darstellt. Wer die Muslime bisher über einen Kamm schor, wird hier eines Besseren belehrt. Der heterogene Aspekt beim Blick auf den Islam ist heute, in einer Zeit der geistigen Auseinandersetzung mit dem muslimischen Fundamentalismus, ein großes Hoffnungszeichen.

Auf einen Blick

Ausstellung: Schätze des Aga- Khan-Museums

Ort: Martin-Gropius-Bau, Berlin, Niederkirchnerstraße 7

Zeit: Bis 6. Juni, mittwochs bis montags von 10 bis 20 Uhr.

Eintritt: 8 (ermäßigt 6) Euro, Katalog 26 Euro

www.martin-gropius-bau.de

Artikel vom 18.03.10 - 14:00 Uhr
| drucken | versenden


Unsere Heimat von oben

Die große Familienserie der NORDSEE-ZEITUNG widmet sich seit dem 2. März 2012 dem Thema „Familienfreundlichkeit“ im Landkreis Cuxhaven. Für jeden Ort und jede Gemeinde erscheinen zur Veröffentlichung aktuelle Luftbilder. Diese Luftbilder können Sie nun auf hochwertigem Fotopapier in unseren Kunden-Centern bestellen. Hier erfahren Sie mehr.

Bad Bederkesa entdecken

Tauchen Sie ein in die neue Panorama-Erlebniswelt.

www.badbederkesa-entdecken.de

Lehe, die Altstadt der Seestadt

nordholzdorumlangenbad bederkesaschiffdorfbremerhavenloxstedthagenbeverstedt

Kinoprogramm

Veranstaltungen

ePaper

Lesen Sie hier die aktuelle Seite 1

Zeitung

Abo Service
Abonnement
Änderungen

ePaper

Login
Abonnement

Neue Kommentare

  1. Lohmannstraße wird saniert
    24.05. | 5 Kommentare
  2. Energie für die Stromwende
    24.05. | 3 Kommentare
  3. BIS managt den Tunnelbau
    24.05. | 1 Kommentar
  4. Seestadt macht keinen Druck bei Weservertiefung
    24.05. | 2 Kommentare
  5. Zirkustiere und Legehennen als Streitthema
    23.05. | 1 Kommentar

Tickets

Ticketshop
Sie suchen Karten für Konzerte, Musicals oder Sportevents?
Dann kommen Sie in unseren Ticketshop.

mehr
Anzeige

NZ-Nachrichten auf Ihrer Webseite

Individuelle Nachrichtenauswahl - immer aktuell

Wir unterstützen Sie dabei gezielt diejenigen Nachrichten, die für Ihren Internetauftritt interessant sind, ohne viel Aufwand zu integrieren. Dafür haben wir ein Modul entwickelt, das Sie ganz leicht mit wenigen Klicks selbst an Ihre Anforderungen anpassen können.

mehr

Kapstadt calling