
Gute Zeiten für Muslime in Deutschland und Deutsche mit Interesse an islamischer Kultur. In der jüngst eröffneten „Türckischen Cammer“ des Dresdner Residenzschlosses sind Prachtstücke der osmanischen Kultur ausgestellt, die noch nie zu sehen waren, auch die Berliner Ausstellung ist spektakulär. Bevor Aga Khan, das Oberhaupt der Ismailiten, seine Kostbarkeiten dauerhaft in sein Museum in Toronto gibt, darf man in der Hauptstadt gut 200 Gemälde, Manuskripte und Keramiken bewundern. Sie gehören zum Schönsten, was die islamische Kunst hervorgebracht hat.
Prinz Karim Aga Khan, 74, ist Oberhaupt von 20 Millionen Muslimen in mehr als 25 Staaten. Als liberale Gläubige stehen die Ismaeliten, eine Glaubensgemeinschaft der Schiiten, allen Strömungen des islamischen Fundamentalismus ablehnend gegenüber, setzen – dem Koran gemäß – auf Respekt gegenüber Anders- und Nichtgläubigen und vertreten demokratische Werte.
Aga Khan gilt ihnen als 49. direkter Nachfahre des Propheten Mohammed, zum Imam wurde er 1957 als 20-Jähriger von seinem Großvater Sultan Mohammed Schah auserwählt. Er war mit einem englischen Model und einer deutschen Adligen verheiratet, lebt bei Paris und in der Schweiz, ist bekannt als Mitglied des internationalen Jet-Set und Wohltäter.
Für den Wiederaufbau Afghanistans stiftete er 550 Millionen Euro, er kümmert sich um sauberes Wasser und Nahrung für Entwicklungsländer, unterstützt Universitäten und sichert mit seinem Architekturprogramm im Nahen und Mittleren Osten den Erhalt des kulturellen Erbes. Nebenher trug er eine exquisite Sammlung islamischer Kunst zusammen.
Dazu Keramiken, Metallgefäße, Zeichnungen, Holzarbeiten, Buchillustrationen und aufwendige Inschriften. Sie demonstrieren den Reichtum des Kulturraums zwischen Andalusien, dem Maghreb und indischen Mogulreich bis nach Fernost.
Die oft verfolgten Ismailiten kamen ursprünglich aus Ägypten. Nach dem Tod des Propheten Mohammed entschieden seine Anhänger, „Kalifen“ als Führer aufzubieten. Das waren Sunniten, die Ali, den Neffen und Schwiegersohn des Propheten, als legitimen Nachfolger verhinderten. So formierten sich deren Anhänger – die Schiiten, zu denen die Ismaeliten zählen – als Untergrundgruppe. Heute liegen sie als Volksgruppe oft im Clinch mit den Sunniten (vor allem im Irak). Die Schiiten gelten als religiöse Charismatiker und Schöngeister.
Das unterstreicht die Berliner Ausstellung, die diese Entwicklung in den Abteilungen „Das Wort Gottes“ und „Die Route der Reisenden“ plastisch darstellt. Wer die Muslime bisher über einen Kamm schor, wird hier eines Besseren belehrt. Der heterogene Aspekt beim Blick auf den Islam ist heute, in einer Zeit der geistigen Auseinandersetzung mit dem muslimischen Fundamentalismus, ein großes Hoffnungszeichen.
Zeit: Bis 6. Juni, mittwochs bis montags von 10 bis 20 Uhr.
Eintritt: 8 (ermäßigt 6) Euro, Katalog 26 Euro

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