Der Weg durch die 80-Minuten-Partitur von 1895 ist lang. Fünf heterogene Sätze, ein Programm, das von der Totenfeier bis zur Auferstehung führt, wollen zusammengeschweißt werden. Tetzlaff sorgte von Anfang an für eine nervige Spannung, in der stets das Drängen nach dem Ziel spürbar blieb. So gab das unruhige Knurren der tiefen Streicher, das Pochen des üppigen Schlagzeugs die Linie vor. Keine Andacht wurde zelebriert, hier marschierte ein Leichenzug auf. Mal naturhaft idyllisch, mal gespenstisch. Gerade die scharfen Kontraste zwischen Heiler-Welt-Sehnsucht und verzweifeltem Aufbäumen machen ja Mahlers Modernität aus.
Da bremste die vorgeschriebene Fünf-Minuten-Rast (während der, reichlich ungeordnet, der 80-köpfige Chor auftrat) fast zu sehr, alle drängte es weiter. Selbst der freundliche Ländler beruhigte nur kurz die Nerven. So klangvoll die verstärkten Streicher, so sanglich die Celli beeindruckten, so sehr ging auch die enorm plastische Akzentuierung durch Holzbläser und Hörner ins Ohr. Im Gellen der Trompeten schien immer Gefahr zu lauern.
Greifbar wurde die Unruhe wieder im Mittelsatz. Die Wellenbewegung, die im zugrunde liegenden Lied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“ nur die schwänzelnden Fische zeichnet, wird zum ruhelosen ewigen Kreiseln: Der Mensch bleibt stets der alte Adam, hoffnungslos.
So muss ein Englein im vierten Satz, dem Lied „Urlicht“, das Lichtchen zu Gott weisen, und dieses Englein verkörperte Altistin Ann Juliette Schindewolf mit wahrhaft tröstendem Timbre.
Vergessen war, dass bloß Röhrenglocken läuteten und eine E-Orgel höhere Weihen simulierte, dass Kitsch und Bombast um die Ecke lugen. So zwingend entlockte Tetzlaff dieser subjektiven Apotheose reine Osterstimmung.
Bravos und tosender Beifall dankten allen Bergfexen. Die „Eigernordwand“: In Bremerhaven ist sie mit Bravour genommen.

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