
Eigentlich wollte er schon als Kind Romancier werden. Die Methodik war da, aber der Aufwand zu groß und die Lust schließlich weg. So wurde der Italiener eben Philosoph, Mittelalterforscher und vor allem Semiotiker – ein Meister der Entschlüsselung von Zeichen. 50 lange Jahre dauerte es, bis Eco schließlich tat, was er früher schon wollte: Er schrieb seinen ersten Roman „Der Name der Rose“. Und landete prompt einen Bestseller.
Eine vage Erklärung, warum er schließlich doch seinen ersten Roman verfasste, gab er in einem Interview: Manchmal könne man als Erzähler etwas ausdrücken, was man als Philosoph nicht sagen kann.
Wer Eco gelesen hat, weiß, dass er sich auch in seinen inzwischen fünf Romanen als Philosoph nicht zurückhält. Und auch seine „Bekenntnisse“ sind bis auf die ersten und das letzte Kapitel eher philosophische Abhandlungen über Fiktion und Wirklichkeit, über Metaphysik kontra Semiotik.
Was durchaus nicht abwertend gemeint ist, im Gegenteil: Ecos Sicht auf die eigene Kreativität wie auf die anderer Autoren birgt unglaublich viele Facetten, mit denen man Literatur betrachten kann.
Auch in seinen Schriftsteller-Alltag gewährt er Einblick: Wie aus Bildern und Szenen, der Zeit, dem Ort und dem Land, in dem sie spielen, eine Geschichte entsteht. Er nennt diesen oft jahrelangen Schaffensprozess „literarische Schwangerschaft“. Der Prozess besteht aus akribischer Recherche, was Eco aber nicht davon abhält, zum Beispiel für seinen Roman „Baudolino“ ein hypothetisches „Pidgin-Piemontesisch“ des 12. Jahrhunderts zu erfinden. Scheu vor fiktiven Handlungen hat er nicht, wie er in allen Romanen immer wieder bewiesen hat.
Die „Bekenntnisse eines jungen Schriftstellers“ sind weder eine Gebrauchsanleitung noch eine Animation zum Romaneschreiben. Man merkt dem Buch an, dass es von einem Universitätsprofessor verfasst wurde. Wer sich aber – auch mit Hilfe eines Fremdwörterbuchs – durcharbeitet, hat durchaus seinen Spaß und glaubt, nach der Lektüre etwas schlauer geworden zu sein.
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