
Im Technik- und Verkehrsmuseum an der Freiburger Straße sieht es in der großen Ausstellungshalle aus wie sonst. Viele schön restaurierte Ausstellungsstücke stehen dort und künden von der Ingenieurs- und Baukunst vergangener Jahrzehnte. Das Victoria-Motorrad mit Beiwagen – ein Traum.
Dabei dürfte es – wie alle anderen Exponate auch – seit Jahresbeginn nicht mehr auf dem Gelände stehen, ginge es nach dem Willen der Stader Politiker und der Verwaltung. Sie haben der Gruppe der Ehrenamtlichen um den Vereinsvorsitzenden Walter Müller den Laufpass gegeben. Die Stadt hatte als Eigentümer und Vermieter den Verein aufgefordert, das Gelände zu räumen.
In der Cafeteria läuft die Kaffeemaschine, Helga Müller hat einen Topfkuchen in die Auslage gestellt. Ungeachtet der Tatsache, nicht mehr erwünscht zu sein. Von offizieller Seite aus jedenfalls. Dabei sind die aktiven Herrschaften sehr wohl erwünscht. Walter Müller legt das Gästebuch auf den Tisch. Von einem „Kleinod“ ist in einer der letzten Eintragungen die Rede, „eine tolle Fundgrube, die nicht verschwinden darf“, lautet ein Eintrag vom 28. Dezember.
„Hier wird das Ehrenamt kaputt gemacht“, sagt Edmund Hänel, stellvertretender Vorsitzender. Mit dem Angebot, das Museum in der KBS-Halle unterzubringen, hätten Rat und Verwaltung nur ihr Gewissen beruhigt. „Die Halle ist ungeeignet und unbrauchbar, das wissen alle“, sagt Hänel.
Was Müller und Hänel nicht verstehen: Woanders gelinge es doch auch, ein altes Gebäude in ein Neubaugebiet zu integrieren, warum denn hier nicht? Die Idee sieht so aus: Der Teil der Halle, der an der Grenze zum Nachbarn Bening steht, bleibt als Museum erhalten, der andere Teil der Halle wird abgerissen. Dann bliebe, so der Gedanke, genug Platz für eine anderweitige Vermarktung. Wenn die Fassade dann noch verschönert wird, passt sie ins Bild.
Walter Müller erläutert eine weitere Idee: Eine zu gründende Stiftung könnte symbolische Bausteine verkaufen. Mit dem so eingenommenen Geld kauft der Verein der Stadt dann das Grundstück ab, auf dem die Halle steht. Zum ortsüblichen Grundstückspreis, was der Stadt Geld bringt.
Die Auskunft der Stadt zum weiteren Vorgehen ist kurz und bündig. Mitte nächster Woche sollen in juristischer Hinsicht Nägel mit Köpfen gemacht werden. Dann werde die Räumungsklage auf den Weg gebracht, sagt Bürgermeisterin Silvia Nieber.
Ist dieser Austausch beendet, kommt es zu einem Verhandlungstermin vor Gericht. „Das kann bis zu einem halben Jahr dauern“, schätzt Michael Gosch, Anwalt der Museumsleute. Ist das Urteil gesprochen, sind Rechtsmittel möglich.
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