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„Ich fand die Zauberei super“

London. Vor 15 Jahren tauchte Zauberschüler Harry Potter auf dem Buchmarkt auf und setzte eine Erfolgslawine in Gang. Doch zunächst war das Manuskript der Autorin Joanne K. Rowling von mehreren Verlagen abgelehnt worden. Lektor Barry Cunningham von Bloomsbury Publishing erkannte schließlich das Potenzial und griff zu. Unserer Korrespondentin Britta Gürke verriet er, dass ihn vor allem die Freundschaften der Kinder faszinierten.

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Joanne K. Rowling ist dank Harry Potter heute eine reiche Frau . Ihr Lektor riet ihr anfangs, sich durch einen Job vorsorglich abzusichern.

Was war ihr erster Gedanke, als sie das Manuskript zum ersten Potter-Band lasen?

Als mich das Manuskript erreichte, hatten wir gerade angefangen, Kinderbücher herauszubringen. Ich war auf der Suche nach einem von diesen Büchern, das Kinder in den Arm nehmen und mit sich herumtragen oder nachts unter ihr Kissen legen, ein Buch, das sie emotional fesselt. Ich wusste nicht, dass alle anderen es abgelehnt hatten. Ich habe es abends mit nach Hause genommen und gelesen. Am nächsten Morgen habe ich es gekauft. Ich hatte keinerlei Zweifel, dass Kinder es lieben würden.

Was gefiel Ihnen so gut?

Ich fand die Zauberei und die Eulen und all das super, aber was mich wirklich angezogen hat, waren die Freundschaften in der Geschichte. Die eigentliche Qualität war meiner Meinung nach diese Freundschaft zwischen den drei Kindern und die Art und Weise, wie sie sich gegenseitig Mut gemacht haben.

Wie begann die Zusammenarbeit mit Rowling?

J.K. Rowling kam nach London und wir trafen uns in einem Restaurant. Sie erzählte mir die Geschichte aller sieben Bücher. Glauben Sie mir, viele kleine Kinder haben mich später Jahre lang fast gefoltert, um sie aus mir herauszubekommen. Ich war ziemlich erleichtert, als das letzte Buch erschien, und ich das Geheimnis nicht mehr für mich behalten musste. Die Tatsache, dass Joanne Harry in den Büchern erwachsen werden lassen wollte, war damals ziemlich radikal, weil die meisten Kinderbuch-Charaktere zu der Zeit einfach weitere Abenteuer erlebten. Aber die Idee hat mir gefallen.

Stimmt es, dass Sie ihr gesagt haben, sie werde mit ihren Büchern nie wirklich Geld verdienen?

Ich habe mir Sorgen um sie gemacht, denn sie war eine alleinerziehende Mutter, und zu dieser Zeit konnte man mit Kinderbüchern nicht viel verdienen. Daher gab ich ihr den Rat: Du wirst mit Kinderbüchern niemals Geld machen, du brauchst auch noch einen Tages-Job nebenbei. Sie ärgert mich heute noch damit.

Mussten Sie viel am Manuskript ändern?

Wir haben ein bisschen Lektorats-Arbeit gemacht, aber nur leichte Veränderungen. Vor allem das Spiel Quidditch habe ich nie verstanden, aber das tue ich auch heute noch nicht.

Wie kam der Erfolg?

Es war nicht von Anfang an ein Renner in den Läden, aber es legte in den ersten Wochen langsam an Fahrt zu. Es war wirklich Mund-zu-Mund-Propaganda. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt so gut wie kein Geld für die Vermarktung. Die meisten Kinder-Phänomene werden irgendwo in Hollywood mit einem großen Marketing-Budget zusammengebraut. Das war bei Harry nicht so. Dieses Phänomen entstand allein durch die Kraft des riesigen Vorstellungsvermögens einer einzigen Frau. Am meisten mit Stolz erfüllt mich vielleicht, dass es zu der Zeit, als wir Harry herausbrachten, hieß, dass das Buch tot sei. Und dass vor allem Jungs höchstens noch die Rückseite einer Computerspiel-Packung lesen würden. Und ein paar Jahre später kämpfen genau diese Jungs darum, an ein neues Buch heranzukommen.

Was ging Ihnen durch den Kopf, als das Kinderbuch plötzlich auch bei Erwachsenen gut ankam?

Ich hätte niemals gedacht, dass so viele Erwachsene das Buch lesen würden. Das hat die Kinderbuchlandschaft und den Markt verändert. Es gab plötzlich eine viel größere Leserschaft für Kinderliteratur.

Woran könnte es liegen, dass auch Erwachsene Kinder- und Jugendbücher lesen?

Ich finde, Kinderbücher haben oft bessere Geschichten als Bücher für Erwachsene.

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Joanne K. Rowling ist dank Harry Potter heute eine reiche Frau . Ihr Lektor riet ihr anfangs, sich durch einen Job vorsorglich abzusichern.
Artikel vom 27.06.12 - 12:00 Uhr
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