
Da haben sie sie nach 19 Spielzeiten mal wieder ausgebuddelt, die „alte Schwarte“ aus Wiener Schmäh, Berliner Schnauze und den unsterblichen Gassenhauern von Ralph Benatzky, Robert Stolz, Robert Gilbert – und Regisseur Ralf Nürnberger, Kapellmeister Hartmut Brüsch und Ballettchef Sergei Vanaev lassen ihrem herzhaft singenden, mimenden, tanzenden Ensemble oben und den städtischen Musikern unten in einer schrillen, frechen, knallbunten Revue die Zügel schießen: Das „Rössl“ galoppiert und springt mitreißend von Nummer zu Nummer, von Tango zu Foxtrott, von Schimmi zu Walzer.
„Zuschau’n mog i net“ klagt der liebeswehe Kellner Leopold – doch den Verwirrungen am Wolfgangsee zuzuschauen ist eine Gaudi. Nürnberger hat fürs Bühnenbild auf Lauschigkeit mit Salzkammergut-Kulisse verzichtet und das Ambiente drastisch reduziert: Der Wolfgangsee mit Alpenblick, Gaisberg, Schafberg und Co. sind samt Gasthaus wie von Kinderhand als weiße Linien auf dunkles Tuch gepinselt. Vor dem Wirtshaus auf Drehbühne: Zwei gelbe Bänke, rot karierte Tischtücher und – zwei Ausflugsdampfer in Holzspielzeug-Optik. Im kleineren rollt Kaiser Franz-Joseph an. Das große schiebt sich zum „Zauber der Saison“ an die Rampe wie ein Containerriese an die Kaje. Drumrum: „Nüscht wie Jejend“, bringt’s der olle „Giesecke“ auf den Punkt. Dunkler Raum – ziemlich steril. Wären da nicht die farbensprühenden, saukomisch wirbelnden Chor- und Ballettnummern, jede Menge rote Herzen, Regenschirme und drei schunkelnde lila Pappkühe. Und das allerliebst agierende Sänger-Schauspieler-Ensemble.
Peter Kubik, als Sängerschauspieler ein Glücksfall, spielt und singt den verknallten Tausendsassa Leopold mit „Kalbsaugerln“, viel Herz, Temperament und baritonalem Schmelz. Knorke, wie Jan-Friedrich Schapers kesser „schöner Sigismund“ seinem lispelnden „Klärchen“ (niedlich: Pinelopi Argyropoulou) die polierte Glatze präsentiert. Einen poetischen Unterton bringt Werner Kraus’ hinterwäldlerischer „Professor Hinzelmann“ in die Turbulenz. Lilli Wünscher als „Ottilie“ schmachtet mit Ziad Nehme als smartem „Dr. Siedler“ wunderbar im Walzertakt. Ob Katharina Kühns komisch-dralle Jodel-Zenzi, Iris Wemmes überkandidelter „Piccolo“ mit Paprika-Huhn oder Christine Dorners morbid-verknöcherte Kaiser-Franz-Karikatur: Ein Ausflug mit der „Rössl-Flotte“ lohnt sich. „Die ganze Welt ist himmelblau“, dort linksrum vom Alten Hafen…
Wo: Stadttheater Bremerhaven.
Wann: 5., 20., 22., 25. Februar.
Karten: 0471/4 90 01.
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