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Die Malerei schwebt auf dem Trapez


BremerhaveN. Wenn ein Maler Wände anmalt, dann wird man ihn für einen Anstreicher halten. Aber wenn ein Maler in einer Galerie die Wand anstreicht, wird man ihn mit Fug und Recht mit der früher üblichen Bezeichnung Kunstmaler nennen dürfen. Denn sein Werk soll die Wand nicht nur dekorieren, sondern den Raum verändern. Von VoLker Heigenmooser


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Bernhard C. Striebel hat nach Art der Kunstmaler die Wände der Galerie 149 gestrichen. Gemeinsam mit seinen oft rot eingefassten Bildern ändert sich dadurch der gesamte Raumeindruck. Foto: asc

Genau das macht der aus Berlin kommende, 1953 im Schwäbischen geborene Bernhard C. Striebel in seiner Ausstellung „bed and breakfast“ in der Bremerhavener Galerie 149 auf der „Alten Bürger“. Selbst wer dort nur vorgeht, hat durch die Schaufenster schon mal einen Blick in den vorderen großen Ausstellungsraum geworfen.

Diesen Raum nun hat Striebel mit einem halbhohen grauen Anstrich versehen, wie er ganz früher einmal gang und gäbe war. Einst wählte man ihn als Ersatz für Wandtäfelungen. Oder man nahm Ölfarbe als Schutz vor Verschmutzungen. Gemeinsam mit den Bildern des Schwaben ist der Galerieraum jetzt vollkommen verändert, vor allem auch ist er enger geworden.

Das Wort „Hotel“

Was jedoch eine optische Täuschung ist. Diese optische Täuschung nimmt der Künstler in seinen Bildern auf. Die entpuppen sich als vielfältige Variationen der geometrischen Form des Trapezes.

Mal sind diese Trapeze, die ja die perspektivische Verzerrung des Rechtecks sind, ganz plan auf den Nesselwänden aufgemalt oder gezeichnet. Mal simulieren sie Räumlichkeit wie auf dem Bild, auf dem zwischen zwei Trapezen das Wort „Hotel“ steht. Dann wieder schweben die drei Trapeze im Raum, ein weißes, das zu Zweidritteln ein gelbes verdeckt, und ein schwarzes, das wiederum ein grünes Trapez enthält.

Rote Begrenzung

Andere Bilder scheinen Fenster zu öffnen – doch die Illusion hält Bernhard C. Striebel in Grenzen. Immer ist man sich bewusst, dass es sich hier um Bilder handelt, deren Farbigkeit sich meist auf vier Farben beschränkt. Dominierendes Weiß, Grau und Gelb ist den Flächen vorbehalten. Rot verwendet der Maler bis auf eine Ausnahme nur für Begrenzungslinien.

Alle Bilder schließlich täuschen vor, auf kariertem Papier gemalt zu sein.

Wenn auch die einzelnen Bilder für sich stehen können, ergeben sie erst als Ensemble in Verbindung mit der bemalten Wand eine ganz eigene Interpretation des Raums der Galerie 149: in neuen Dimensionen erhält er eine kühle Sachlichkeit, die zum Schauen einlädt und den eigenen Standpunkt in Frage stellt. Wenngleich das natürlich nur einen flüchtigen Moment lang so sein kann.

Auf jeden Fall lohnt es sich, sich dieser Ausstellung in der Galerie 149 auszusetzen.

Artikel vom 01.03.10 - 16:00 Uhr
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