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Dem Genie Picasso ganz nah


Münster. Für die einen sind Pinsel und Palette einfach Malerbedarf, für andere ist es „das Intimste, was ein Künstler hat“. Eine Ausstellung gewährt in Münster jetzt Einblicke in das Atelierleben Pablo Picassos. Von Juliane Albrecht


Der Besucher ist ganz nah dran – nicht allein die Werke, sondern auch das Atelier und etliche der Utensilien des Jahrhundertkünstlers Pablo Picasso (1881–1973) zeigt das Picasso-Museum in Münster bis zum 21. November. Das „Intimste“ Picassos, wie Museumschef Markus Müller das Atelier selbst und die vielen Werke mit Atelierdarstellungen nennt, dienen als roter Faden der heute beginnenden Jubiläumsschau „Im Atelier des Künstlers“ zum 10. Geburtstag des Grafikmuseums.

160 Werke sind zu sehen, Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Fotos aus ganz Europa, unter anderem aus dem Pariser Centre Pompidou und dem Picasso-Museum in Barcelona. Hinzu kommen, meist hinter Glas geschützt, Malerschemel, Pinsel und Paletten – vieles wirkt, als wäre es noch gestern benutzt worden. Auch eines der vielen Skizzenbücher Picassos wird gezeigt – „ein Blick ins Gehirn eines künstlerischen Genies“, sagt Markus Müller. So spannt die Ausstellung einen Bogen von fast 70 Schaffensjahren.

Picasso, der meist nachts malte, schwankt in seinen Atelierbildern zwischen Offenheit und Verhüllung: Die von ihm gemalten Darstellungen eines Künstlers mit Pinsel oder Leinwand sind bisweilen verfremdet, wenn der Maler etwa als Affe daherkommt. Dagegen ist die Offenheit – das Zusammenspiel von Modell und Künstler – meist sehr offen, „erotisiert“, wie der Museumsleiter sagt. „Bei Picasso ist es handgreiflich.“ Professionelle Distanz geht in geschlechtliche Direktheit über. Häufig konfrontiert er dabei makellose Jugend in Gestalt der Modelle mit Alter und Gebrechlichkeit der Malerfiguren.

Der Schaffensprozess steht in der Schau im Vordergrund. Die Bilder verdeutlichen, wie Picasso sich und seiner Zunft den Spiegel vorhält. Ein gemaltes Selbstbild. „Ich sage nicht alles, aber ich male alles“, soll der Maler einmal gesagt haben.

Picassos Enkel kommt

Allein 60 der ausgestellten Werke sind von den Erben der Malers nach Münster gekommen – zwei wurden noch nie in Ausstellungen gezeigt. Einer der Nachfahren, Enkel Olivier Picasso, kommt demnächst nach Münster, um das Mitte September startende Jubiläums-Begleitprogramm mit Konzerten, Lesungen und Theateraufführungen einzuläuten.

Das im Jahr 2000 eröffnete Grafikmuseum in Münster ist das einzige deutsche Picasso-Museum: Es beherbergt mehr als 800 Lithographien – in ihrer Vollständigkeit nach Museumsangaben eine weltweit einmalige Sammlung. Während der Jubiläumsausstellung wird der 800 000. Besucher in dem Museum seit Eröffnung erwartet. Publikumsstärkste Ausstellung war im Jahr 2007, als das französische Musée Picasso Antibes 120 Werke während der eigenen Umbauzeit in Münster präsentierte. Damals kamen rund 120 000 Besucher nach Münster.

Parallel zur Jubiläumsausstellung über Picasso zeigt das Museum eine Präsentation mit Arbeiten des deutschen Fotografen Matthias Schaller. Unter dem Titel „Das Meisterstück“ vereint die Ausstellung Beispiele einer 2007 begonnenen Werkreihe, die in Form großformatiger Fotografien die Farbpaletten berühmter Maler des 19. und 20. Jahrhunderts vereint – unter anderem von Vincent van Gogh, Paul Klee und Joan Miró.

Picasso-Museum

Kontakt: Graphikmuseum Pablo Picasso, Picassoplatz 1, Münster,

02 51/414 47 10.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags und an den Feiertagen von 10 bis 18 Uhr.

Eintrittspreise: 10 Euro; Ermäßigt und Gruppen (ab 10 Personen): 8 Euro; Familienkarte: 24 Euro; Studenten: 4 Euro (dienstags).

www.graphikmuseum-picasso-muenster.de

Artikel vom 28.08.10 - 07:00 Uhr
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