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TV-Sender zensiert Cartoon


Ihr Jubiläum haben sich die Macher der amerikanischen Fernsehserie South Park mit Sicherheit anders vorgestellt. In 14 Staffeln wurde die Serie durch Gesellschaftskritik und polarisierenden Humor bekannt. Die Idee für die 200. Folge war es, die Prominenten, über die South Park in den vergangenen 14 Jahren hergezogen ist, noch einmal auftreten zu lassen. Von Jannes Drechsler, 18 Jahre, Gymnasium Wesermünde


In der Jubiläumsfolge droht die Gruppe um Tom Cruise, Britney Spears und Papst Benedikt XVI. der Stadt mit einer Klage. Um diese zu verhindern, fordern sie die Auslieferung Mohammeds. In ihm sehen sie die einzige Person, über die man sich nicht lustig machen darf. Sie hoffen, diese Eigenschaft von ihm kopieren zu können. Die Bewohner der Stadt befürchten Terrorangriffe als Reaktion auf seine öffentliche Darstellung in South Park. Sie stimmen seiner Einreise nur in einem Bärenkostüm verkleidet zu.

Nachdem in den vergangenen Jahren viele Muslime auf Darstellungen ihres Propheten mit Protesten reagiert hatten, wurde Mohammed in einer South-Park-Folge bereits 2006 zensiert dargestellt. Am 4. Juli 2001 hingegen trat Mohammed in der Folge „The Super Best Friends“ noch in unzensierter Form auf. Proteste gab es damals nicht.

Mordanschläge angedroht

Von großen Protesten ist auch in dem aktuellen Fall nicht zu reden. Die Internetseite der kleinen New Yorker Organisation „Revolution Muslim“ warnte die Macher der Serie jedoch vor Mordanschlägen. Dabei wurde Mohammed in der besagten Folge kein einziges Mal gezeichnet. Das Ende lässt zwar die Möglichkeit einer Darstellung seines Gesichts in der Fortsetzung offen, das Gesicht wird jedoch auch hier nicht gezeigt. In der Fortsetzung offenbarte sich dennoch erst die ganze Tragweite der veröffentlichten Warnung. In der Folge „201“ wird der Name „Mohammed“ über die ganze Folge hinweg mit einem Piepton unkenntlich gemacht. Auch eine Rede über Unterdrückung und Einschüchterung am Ende der Folge, bleibt so unverständlich. Während die visuelle Zensur Mohammeds noch beabsichtigt war, wurden die Pieptöne vom Sender Comedy Central nachträglich eingefügt.

Einen Tag später wurden zudem die Folgen „200“ und „201“ sowie „The Super Best Friends“ von der offiziellen Homepage, www.southparkstudios.com, sowie allen Onlinestores entfernt. Während Comedy Central diesen Weg als Sicherheitsmaßnahme rechtfertigte, reagierten die Macher der Serie mit Verärgerung. Auch große Teile der Fan-Szene hatte wenig Verständnis für diese Maßnahmen.

In den 202 Folgen South Park wurde sich über Religionen sowie Personen lustig gemacht und zum Teil harte Kritik geübt. Verärgerte Reaktionen der Betroffenen hat es schon häufiger gegeben. Die aktuellen sind jedoch die mit Abstand härtesten.

In Deutschland werden die zwei Folgen voraussichtlich gar nicht gesendet. Wenn im Herbst die Ausstrahlung der synchronisierten Fassung der 14. Staffel beginnt, werden sich die deutschen Fans wohl mit zwölf statt der gewohnten 14 Folgen begnügen müssen.

Artikel vom 19.05.10 - 06:00 Uhr
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