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„Reichstagsblue“ für die Sitze

Von Isabelle Wiermann
Berlin – die Hauptstadt Deutschlands. Hier gibt es wirklich alles – die Stadt hat Geschichte, schöne und grausame, sie hat Kultur und sie hat Politik. Als Zentrum der Politik der deutschen Hauptstadt sieht man vermutlich den Reichstag. Das große Gebäude zeichnet sich vor allem durch die gläserne Kuppel aus, die inzwischen auch ein großer Touristenmagnet geworden ist. ,


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Die Sitze im Bundestag haben eine spezielle Farbe: das Reichstagsblue. Allerdings sind manche der Plätze schon etwas heller vom Farbton her. Der Grund: Auf ihnen ist häufiger gesessen worden. Dadurch nutzten sie ab. Foto dpa

Wegen der modernen Glaskuppel, in der 800 Tonnen Stahl und 3000 Quadratmeter Glas verbaut worden sind, weiß ein Großteil der Menschen gar nicht, dass dieses Gebäude schon eine lange Geschichte hinter sich hat.

Am 5. Dezember 1894 wurde der Schlussstein des Gebäudes von Kaiser Wilhelm II. gelegt. Seitdem hat der Reichstag schon vieles erlebt. 1918 wurde von einem der Fenster die Republik ausgerufen und der Kaiser musste abtreten. Dann wurde die Weimarer Republik verfasst, die auch in Weimar entstand, da es in Berlin durch den Krieg zwischen den Linken und den Rechten zu gefährlich war. Als die Verfasser dann im Sommer 1919 aus Weimar nach Berlin zurückgekommen sind, musste das Reichstagsgebäude erst einmal entlaust werden. In der Zwischenzeit hatten nämlich Soldaten in dem Gebäude kampiert und es war ziemlich heruntergekommen. Die letzte Sitzung der Weimarer Republik war am 7. Dezember 1932, denn danach kamen die Nationalsozialisten an die Macht. Diese konnten den Reichstag allerdings nicht lange benutzen, denn in der Nacht zum 28. Februar 1933 gab es den sogenannten Reichstagsbrand. Es war Brandstiftung; durch die Löscharbeiten wurde der Raum komplett zerstört. Bei den Neuwahlen wurde dann die gegenüber liegende Krolloper zum Parlamentssaal umgebaut, abgesehen davon, dass statt eines großen Adlers ein großes Hakenkreuz aufgehängt wurde. 22 Jahre später wurde der Wiederaufbau des Reichstages beschlossen, allerdings ohne Kuppel, die ein Jahr zuvor wegen der Baufälligkeit gesprengt worden war. Seit dem 7. Dezember 1999 tagt der Bundestag wieder im Reichstagsgebäude, so wie wir es heute kennen. Die Inschrift über dem Hauptportal, „Dem deutschen Volke“, ist aber schon seit 1916 zu lesen. Die lange Wiederaufbauphase hatte mehrere Etappen. Weltweite Aufmerksamkeit zum Beispiel erregte die Verhüllung des Reichstagsgebäudes.

Farbe extra entworfen

Das Projekt „Wrapped Reichstag“ von dem Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude lockte mehr als fünf Millionen Besucher an. Nach dem Abbau der Verhüllung begannen die Umbau- und Modernisierungsarbeiten nach Entwürfen des britischen Architekten Sir Norman Foster. Er designte so gut wie alles, von dem Teppich bis zur Türklinke. Selbst die Farbe der Sitze wurde von ihm bestimmt, oder viel mehr neu erfunden. Das interessante Blau hat der Designer nur für den Reichstag entworfen. Der Engländer hat die Farbe sogar „Reichstagsblue“ genannt. Blau ist natürlich alles in allem eine vorteilhafte Farbe – denn sie ist unparteiisch. Es gibt zum Beispiel die Grünen, die Roten, die Schwarzen und die Gelben, aber nicht die Blauen. Bei dem Sitz des Bundestagspräsidenten mussten schon die Polster gewechselt werden, da auf diesem Stuhl fast immer jemand drauf sitzt. Deshalb leuchtet das „Reichstagsblue“ des einen Sitzes nun mehr als bei den anderen, ausgeblicheneren Sitzen.

Für die Sicherheit des Gebäudes ist gesorgt. Jeder darf den Reichstag kostenlos besuchen, deshalb wird am Eingang das Gepäck durchleuchtet und man wird mit einem Metalldetektor abgesucht. Danach kann man sich das Gebäude und die Kuppel angucken. Im Inneren der Glaskuppel kann man sich Snacks kaufen und in den Plenarsaal hineinsehen, der von 360 Spiegeln mit Licht versehen wird.

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall – die Aussicht aus der Kuppel ist wundervoll.

Artikel vom 01.06.11 - 16:00 Uhr
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