
Angefangen hat das ganze in den USA. Magda Sayeg wollte ihre unfertigen Strickprojekte nicht in der Schublade verschwinden lassen und umstickte kurzerhand die Türklinke einer Boutique. Was zunächst noch im Untergrund passierte, wird heute immer mehr anerkannt, Strick-Guerilla-Künstler müssen sich nicht mehr hinter Künstlernamen verstecken, ihre Strickkunstwerke werden sogar ausgestellt.
Trotzdem bewegen sich die meisten mit ihren Werken in einer gesetzlichen Grauzone und bleiben unerkannt, schließlich soll es nicht vorwiegend um den Künstler gehen, sondern um das, was sie mit ihren Strickwerken in der Öffentlichkeit aussagen wollen. Strick-Guerilla will die Entmenschlichung der Städte zeigen, deren Gebäude vorwiegend aus Glas, Stahl und Beton kalt und hart in den Himmel ragen – künstlich, kantig, der Natur und dem Leben entfremdet.
Mit dem umstricken von öffentlichem Eigentum bringen die Strick-Künstler den Städten einen Teil des Menschlichen zurück. Sie geben der kalten Atmosphäre eine wärmere Note, sie machen die Straßen gemütlicher, weicher, fast schon ein bisschen flauschig und natürlich um einiges bunter.
Vielleicht ist Strick-Guerilla die moderne Form des Strickens, bei der es nicht mehr um das Stricken als Mittel zum Zweck, nämlich warmer Kleidung geht, bei der das Stricken nicht mehr rein funktional ist, sondern eine Aussage an die Menschheit hat, überraschen und aufrütteln soll. Auf jeden Fall aber befreien die Künstler das Stricken von seinem verstaubten Image und zeigen, dass man selbst mit stricken versuchen kann, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.
