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„Freundlich, Kühe und Wolken“

Ein paar Wochen erlebte die Amerikanerin Katelyn Stenger bei JuSchu-Redaktionsmitglied Freya in Neuenlande den deutschen Alltag. Zum Abschluss ihres Besuchs bat Freya ihren Gast zum Interview. Von Freya Morisse, 18 Jahre

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Katelyn bei einem Besuch im Hafen. Foto pr

Warum hast Du Dich gerade für Deutschland als Dein Reiseland entschieden?

Ich habe deutsche Vorfahren, und deshalb hat das Deutsche immer einen Einfluss auf mein Leben gehabt. Mich interessiert die starke Wirtschaft des Landes, aber auch die europäische und deutsche Kultur. Schon im April hatte ich Frankfurt besichtigt, und als mir dort ein paar Deutsche erzählten, wie viel lebendiger und kultivierter andere Gegenden Deutschlands verglichen mit Frankfurt sind, hat das mein Interesse an Deutschland noch verstärkt. Außerdem bin ich zurzeit sehr am Ingenieurswesen interessiert. Deutschland ist weltberühmt für Naturwissenschaft und Forschung. Später würde ich gern in Deutschland studieren und arbeiten. Ich habe mir gedacht, dass die Möglichkeit, nach Deutschland zu kommen, eine sehr gute Gelegenheit ist, um ein ähnliches, aber dennoch anderes Leben verstehen und erleben zu können.

Welche Vorurteile hattest Du, bevor Du nach Deutschland kamst?

Ich schaute mir bei „Google Maps“ an, wo ich leben würde und dachte mir: Großartig, ich werde in das Kansas von Deutschland gehen. Aber ich war auch gespannt, so nah an Flüssen und an der Nordsee zu leben.

Kannst Du unsere Gegend in drei Worten beschreiben?

Freundlich, Kühe und Wolken.

Nun zu der Frage, die ich öfter mal zu hören bekommen habe: Wie hast Du es sechs Wochen in einem Dorf wie Neuenlande ausgehalten?

Ich musste nichts aushalten. Ich denke, Neuenlande ist sogar toll. Mit dem Zug ist es nicht weit nach Bremen, und man kann mit dem Bus nach Bremerhaven fahren. Wenn mir langweilig war, habe ich gern gemalt, gezeichnet und gelesen. Ich beobachte auch gern Rinder. Eines Tages habe ich sie einfach angeguckt. Es war so witzig, ich habe ihnen allen Namen gegeben.

Welche weiteren Erlebnisse hier werden Dir in besonders guter Erinnerung bleiben?

Nach Helgoland zu fahren, die roten Felsen, das extrem dunkelblaue Meer und das grüne Gras zu sehen, war wunderschön. Ein weiteres Erlebnis hatte ich, als ich eine Fahrradtour machte und ein Feld mit Kornblumen sah. Ich habe noch nie ein Feld so natürlich gesehen wie dieses.

Was findest Du noch faszinierend an Deutschland?

Die Idee eines Dorfes finde ich sehr faszinierend. Dörfer sind so ländlich und doch so nah an allem anderen. In diesen Dörfern lebend würde ich niemals vermuten, dass Deutschland eine höhere Bevölkerungsdichte hat als die USA. Es gibt allem eine wirklich charmante Atmosphäre. Ich finde es auch faszinierend, welche Mengen an Brot gegessen werden. Ich hatte gehört, dass es viel sein soll, aber ich hatte nicht gedacht, dass es sooo viel sein würde. Aber ich mochte es.

Was sind Deiner Meinung nach die markantesten Unterschiede zwischen Deutschen und Amerikanern?

Zuerst einmal die Sprache. Und wenn es vier Uhr ist, trinken alle Deutschen Kaffee und essen Kuchen. In den USA trinken wir morgens Kaffee und essen Kuchen nach dem Abendessen. Außerdem sind hier viel, viel mehr kleine Autos. Aber wenn man einen Raum mit einer Hälfte Deutschen und einer Hälfte Amerikanern füllen würde und niemand spräche – dann könnte ich nicht sagen, wer wer ist.

Was ist Neues in Deinem Koffer, wenn Du morgen abreist?

Was Erfahrungen betrifft, so bin ich froh, dass sie nichts wiegen. Einem Pferd dabei zuzusehen, wie es auf eine Trächtigkeit hin untersucht wird, war komisch. Sich an Bahnhöfen und Bushaltestellen zurechtzufinden ist auch eine Fähigkeit, die ich zuvor nicht hatte. Und wie einfach es ist, umweltfreundlich zu sein. Etwas so Einfaches wie Kompostieren oder Müll trennen. Das ist etwas, was ich in den USA nicht gemacht habe, aber dorthin bringen möchte. Auch wie das deutsche Essen gemacht ist – für mich ist es sehr kreativ und einfallsreich. Was den familiären Aspekt anbelangt, so habe ich gelernt, wie wichtig es ist, zusammen zu essen. Ich habe auch gelernt, wie man entspannt, denn während der Schulzeit tue ich immer etwas. Hier hingegen habe ich gelernt, den Tag für das zu genießen, was er ist. Ich war auch sehr von der deutschen Kunst beeinflusst. Nackte Menschen zu sehen, hat bewirkt, dass ich den Körper des Menschen wertschätze und nicht Angst vor dem habe, was er ist. In den USA sehe ich nie nackte Skulpturen, und aus diesem Grund war es eine gute Abwechslung, hier welche zu sehen.

Was wirst Du an Deutschland vermissen?

Meine Gastfamilie, aber auch die Freundlichkeit. Ich werde auch Schwarzbrot und Käse vermissen. Ich plane, viel Schwarzbrot in meiner Tasche in die USA zu schmuggeln.

Artikel vom 10.08.11 - 06:00 Uhr
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