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Fanatische Liebe zum Verein


Sie basteln in ihrer freien Zeit Fahnen und Spruchbänder. Damit gehen die Jugendlichen einer bestimmten Gruppe jedoch nicht auf die Straße, um sich für etwas einzusetzen. Sie gehen ins Sportstadion – und das an jedem Wochenende. Die Rede ist von sogenannten „Ultràs“. Von Tim Bartling, 16 Jahre,


Entstanden ist die „Ultrà“-Bewegung im Italien der 50er und 60er Jahre. Damals taten sich mehrere Jugendliche zusammen, um gemeinsam den FC Turin zu unterstützen. Der Name „Ultrà“ kam zustande, als eine Zeitung Fans des FC Turins als Extreme bezeichnete, nachdem sie einen Schiedsrichter nach einem Spiel bis zum Flughafen verfolgten.

Mittlerweile ist die Welle in allen großen Ländern Europas angekommen, auch in Deutschland gibt es diverse Gruppierungen. Doch im Gegensatz zu Hooligans sind „Ultràs“ nicht auf Gewalt aus, ihnen geht es vielmehr um die fanatische Unterstützung ihres Lieblingsvereins – dazu zählt neben regelmäßigen Besuchen der Heimspiele auch das Organisieren einiger Auswärtsfahrten, das Ausdenken und Umsetzen von Choreografien und das Erstellen eigenen Materials, beispielsweise Fahnen und Doppelstockhalter in den Vereinsfarben.

Alles finanzieren die Gruppierungen selber und geben es auch an andere Besucher im Stadion weiter. Meistens haben „Ultràs“ eine feste Position bei den Stehplätzen, gekennzeichnet mit großen Zaunfahnen.

Unterschriftensammlung

Die politische Orientierung der „Ultràs“ hat keine feste Richtung, generell sind sie aber gegen die Kommerzialisierung des Sports. So organisierte die Gruppierung „Chosen Few Hamburg“ – Unterstützer des HSV – eine Unterschriftensammlung im Internet gegen die Abschaffung der „50+1“ Regel, welche Investoren verbietet, die Mehrheit an einem Verein in Deutschland zu übernehmen. Über 5800 Menschen aus ganz Deutschland trugen sich auf der Liste ein, welche mittlerweile der Deutschen Fußball-Liga (DFL) überreicht wurde.

Konflikte mit der Polizei

Ein weiterer Punkt, dem die „Ultràs“ den Kampf erklärt haben, ist die Willkür unter anderem bei Stadionverboten. Da „Ultràs“ bei Spielen gerne bengalische Feuer oder andere Rauch erzeugenden Materialien in ihrem „Block“ zünden, bleiben auch Konflikte mit der Polizei nicht aus.

Von Aktionen, wie sie beim Spiel Hertha BSC Berlin – 1.FC Nürnberg passierten (Berliner Fans stürmten nach dem Spiel damals aufs Spielfeld und schlugen mit Holzlatten und Rohren auf Sicherheitskräfte und Gegenstände ein), distanzieren sich „Ultrà“-Gruppierungen stark. Ihnen geht es nur um die Unterstützung des Vereins.

Der Kontakt zu anderen Gruppierungen wird gepflegt – es gibt deutschlandweite Fanfreundschaften, Fanclubversammlungen, aber auch Rivalitäten zwischen Gruppierungen. Mittlerweile kann man sagen, dass sich in Deutschland langsam, aber sicher mit dem „Ultrà“-sein eine neue Jugendkultur geschaffen hat.

Übrigens: Ultràs gibt es in allen europäischen Ländern – außer in England. Der Grund: Die hohen Eintrittspreise für die Fußballspiele können sich Jugendliche in Großbritannien häufig nicht leisten.

Artikel vom 14.04.10 - 06:00 Uhr
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