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An der Universität Leipzig wurde seit 2003 vom Lehrstuhl für Medienpädagogik unter der Leitung des Professors Dr. Bernd Schorb die Studie „Medienkonvergenz Monitoring“ durchgeführt, in der vor allem das Verhalten Jugendlicher von zwölf bis neunzehn Jahren auf Kommunikationsplattformen im Internet beobachtet wurde. Von Annika Heyen, 16 Jahre,


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Eine Studie zeigt, dass Jugendliche bei ihrer Selbstdarstellung in sozialen Netzwerken meistens bei der Wahrheit bleiben. Foto jst

Das Projekt besteht zu einem Teil aus einer jährlichen Online-Befragung, bei der Nutzer von Jugend-Netzwerken wie zum Beispiel „SchülerVZ“ Fragebögen ausfüllen, und zum anderen Teil aus auf längerfristiger Basis angelegten, in regelmäßigen Abständen erfolgenden Intensiv-Interviews mit 40 Jugendlichen aus dem Raum Leipzig. „Wir interessieren uns für Jugendliche und ihren Umgang mit Medien, weil diese Lebensphase mit ihren Entwicklungsaufgaben besondere Chancen und Risiken im Medienumgang birgt“, erklärt ein Sprecher des Projektes. In der besagten Lebensphase bildet man seine Identität aus. Kommunikationsplattformen bieten hierbei Orientierungsmöglichkeiten anhand der Profile anderer Internetnutzer.

Im Laufe der Jahre wurde beobachtet, dass die Nutzung von sozialen Netzwerken und Kommunikationsplattformen weitaus aktiver geworden ist, während nur noch bis zu zwei Prozent der Internet-Nutzer ein Interesse daran haben, sich an dem Erstellen von Netzinhalten zu beteiligen.

Warum ist die Zahl der jugendlichen Nutzer von Internetforen wie „Facebook“ oder „SchülerVZ“ so stark angestiegen? Professor Schorb äußerte in einem Interview die Meinung, dass die meisten Jugendlichen sich anmelden, weil die Freunde ebenfalls Nutzer der sozialen Netzwerke sind und sie dazu gehören wollen. „Es ist ganz entscheidend, auch drin zu sein“, lautet Schorbs Kommentar zu der Frage, welche Rolle der soziale Druck und die Angst, ausgeschlossen zu werden, spiele. Es gäbe ganze Schulen, die bei den „Lokalisten“ oder anderen Foren angemeldet sind.

Der Reiz der sozialen Netzwerke liege darin, dass sie dem Nutzer die Möglichkeit bieten, trotz räumlicher Distanz mit anderen zusammen zu sein. Die vorrangige Funktion der Seiten ist nach wie vor die Kommunikation, doch auch Selbstpräsentation ist ein wichtiger Bestandteil der virtuellen Räume. „Hierzu gehört es, attraktive Fotos reinzustellen und einfach zu zeigen, wie ich gerne sein möchte“, erläutert Professor Schorb. „Das Netzwerk ist also ein Ort der aktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit.“ Allerdings blieben die Schüler bei ihrer Selbstdarstellung in der Regel bei der Wahrheit und präsentierten sich nicht als andere Persönlichkeiten.

Die Studie befasste sich jedoch nicht nur mit dem Verhalten Jugendlicher im Internet, sondern unter anderem auch mit den schlechten Erfahrungen, die die Befragten bisher sammeln mussten. Laut Schorb unterscheide sich die virtuelle Welt, was die Gesetzmäßigkeit betrifft, nicht viel von der realen. „Das Dilemma ist, dass im virtuellen Raum keine Zeit existiert. Was ich hier präsentiere, bleibt potenziell ewig da.“ Soll heißen: Selbst wenn man seinen Account in einem sozialen Netzwerk löscht, bleiben die Daten gespeichert und für die Öffentlichkeit zugänglich. Das daraus resultierende Problem ist die Gefahr, sich selbst für die Wirtschaft und den Handel zu durchsichtig zu machen und sie praktisch zur Spionage einzuladen. Selbst mit den Privatsphäre-Einstellungen kann man nicht dagegen vorbeugen. Sie erschwert es zwar, von außen auf das Profil zuzugreifen, verhindert jedoch nicht das Erfassen von persönlichen Daten.

Der Gesetzgeber ist jedoch weitestgehend machtlos gegen den Datenmissbrauch im Netz, denn der Landtag von Nordrhein-Westfalen hat den Jugendmedienschutzstaatsvertrag abgelehnt. „Ich finde, der Gesetzgeber müsste geschützte Räume im Netz zur Verfügung stellen, ähnlich wie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, ist Schorbs Verbesserungsvorschlag zu den angesprochenen Punkten.


Artikel vom 20.07.11 - 16:00 Uhr
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