
Ob unverständlich oder nicht, interessant scheinen die Ausdrücke auch für die Herrschaften im gesetzteren Alter zu sein, sonst würde sich doch keiner die Mühe machen, Listen mit den beliebtesten Jugendwörtern herauszugeben. Ein paar Probehäppchen gefällig?
Fangen wir mit etwas Altvertrautem und wieder Hervorgesuchtem an: „hacke“. Nein, nein, das ist so richtig geschrieben, das gehört klein, auch wenn der Duden etwas anderes sagt. Vielleicht kommt es dem einen oder anderen sogar bekannt vor, denn das Synonym „hacke dun“ für „betrunken“ gab es „fjedn“ auch schon zu Omas Jugendzeit.
Auch das war kein Tipp-Fehler. „Auf jeden Fall“ ist vielen einfach zu lang. „fjedn“ sieht zwar irgendwie „abgespaced“ (verrückt) aus, aber man kann sich daran gewöhnen. Das Antonym zu „fjedn“ ist übrigens „Auf keinsten“ (Auf keinen Fall)... genau so schlimm.
Kommen wir zu den Ausdrücken, hinter denen sich ungeahnte, unangenehme Wahrheiten und Unwahrheiten befinden. So zum Beispiel denkt der Durchschnittsdeutsche im Alter von 41 Jahren bei dem unschuldig aussehenden Begriff „Pfosten“ nicht an die wahre jugendsprachliche Übersetzung, sondern an einen Zaun oder ähnliches. Erst wenn auch die Steigerungsform „Vollpfosten“ zum Vorschein kommt, wird er sich sagen, dass diese Vermutung nicht so ganz richtig sein kann. Um es kurz zu machen: „Du (Voll-)Pfosten“ ist gleichzusetzen mit „du (Voll-)Idiot“.
„Eskalieren“ sieht ja noch recht alltäglich aus, bedeutet aber nicht „aus den Fugen geraten, negativ steigern“, sondern „exzessiv feiern“. „Vorglühen“ ist hier als „Alkoholkonsum vor einer Party, um in Stimmung zu kommen“ zu verstehen.
Jetzt wird es richtig lustig! Ein Schnitzel ist etwas zu essen, Husten das lästige Krankheitssymptom zum Beispiel von einer Erkältung. Das weiß ja jeder. Aber wenn man diese beiden Wörter kombiniert, kommt etwas heraus, was mit dem Husten schon eher, mit Schnitzel jedoch nur um ein paar Ecken und Kanten zu tun hat: Schweinegrippe! Schnitzel kommen aus der Fleischerei, aber bestimmt nicht aus der „Änderungsfleischerei“! Dort werden nicht Fleischstücke durch den Wolf gedreht und gepfeffert und gesalzen, sondern angewelkte Schönheiten wieder in Form gebracht – mit dem Skalpell.
Bei den sommerlichen Temperaturen, die in den letzten Wochen schon herrschen, hat der eine oder andere schon ein bisschen Farbe bekommen. Wer im Winter auch ohne Sommerurlaub braun sein will, besucht ein Sonnenstudio und brutzelt genüsslich in der „Klappkaribik“. Denn, anders als vor hundert Jahren, ist gebräunte Haut voll „stylisch“/modisch. Die „Rotzbremse“, der Schnurrbart, hingegen ist total out!
Ich glaube nicht, dass man sich unbedingt an den Jugendslang gewöhnen muss, wenn man ihn total „assig“ (blöd) findet. Doch wie dem auch sei: Haut rein! (Tschüss!)
