
„Die Leute im Dorf wissen, wer ich bin“, sagt Rainer Müller. Der Vater von vier Kindern ist gebürtiger Köhlener, sitzt seit 2001 im Rat der Gemeinde, seit 2006 im Samtgemeinderat, ist seit 2007 Präsident der örtlichen Schützen, hat in der Landjugend seine Spuren hinterlassen, ist aktiver Feuerwehrmann, war im Rat der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde und er jagt bei der „Männerturngruppe“ von Rot-Weiß Köhlen dem runden Leder hinterher.
Nach langen Jahren im heimischen Landwirtschaftsbetrieb hat Müller nach dem Tod seiner Eltern die berufliche Chance einer Neuorientierung genutzt und als landwirtschaftlicher Finanzberater bei einem großen Geldinstitut in Bremerhaven begonnen. Dort arbeitet der gelernte Bankkaufmann und Landwirtschaftsmeister immer noch.
Deshalb sei klar, dass das Gemeindebüro – allein schon aus zeitlichen Gründen – nicht seine zweite Heimat werden könne wie bei Martin Döscher. „Auch das wissen die Leute im Dorf“, sagt Müller. Trotzdem werde er zu jeder Zeit ansprechbar sein. „Es geht darum, Köhlen und seine lebendige Infrastruktur zu erhalten“, gibt der traditionsverbundene Mann seine Parole künftigen Handelns aus. Das Gewerbe müsse am Ort verbleiben, die Vereine müssten in ihrem ehrenamtlichen Tun gestärkt werden.
Über die Anzeigen, die im Vorfeld des Kommunalwahlkampfs geschaltet worden sind und in denen unter anderem ein Ende der „Döscher-Dynastie“ in Köhlen gefordert worden ist, will Rainer Müller an diesem Abend „nicht noch einmal reden“. Er sei für derlei Publikationen nicht verantwortlich gewesen.
„Es ist doch jetzt viel wichtiger, miteinander nach vorne zu schauen und für Köhlen das Beste zu erreichen“, meint Müller. Dabei betont er immer wieder, dass die Übergabe der Amtsgeschäfte ruhig gelaufen sei und er Martin Döscher senior als „politischen Berater mit viel Erfahrung“ auch künftig gern einbinden wolle. „Wir haben ein gutes Verhältnis“, sagt Müller.
Der neue Bürgermeister von Köhlen hat nach eigenen Angaben keinen Zehn-Punkte-Plan für seine Amtszeit in der Schublade. Doch der 39-Jährige weiß genau, was er will. Und er will es, gemeinsam mit dem Gemeinderat, realisieren. Zug um Zug. Partnerschaftlich, versteht sich. „Wir haben die Hoffnung, unseren Windpark ,Brokoh‘ zu realisieren, damit die heimische Landwirtschaft gestärkt wird und Steuergelder in die Gemeindekasse fließen.“ Dann sei die Sanierung der Wirtschaftswege „ein wichtiges Thema für die Zukunft“.
Bis zur Fusion mit der Stadt Langen im Oktober 2014 will er diese Punkte nach Möglichkeit abgearbeitet wissen.
Apropos Fusion: Aus finanzieller Sicht sei diese unumgänglich. „Wir wollen das Beste für Köhlen daraus machen“, sagt Müller. Aufgrund der zu erwartenden Entschuldungsmillionen bestehe die Chance, ein Stück weiter zu kommen. „Wir können auch für unseren Ort einige Dinge voranbringen, die vorher nicht gelaufen wären.“

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