Im Jahr 1953 wurde sie von der Mädchenschule auf das Jungengymnasium in Klasse 7s (Englisch-Latein-Griechisch) umgeschult. Das Klassenfoto von damals zeigt 56 Schüler, darunter drei Mädchen. „Wir waren die Paradiesvögel der Schule, eine psychologisch-pädagogische Herausforderung für unsere Lehrer und eine ,Irritation‘ für manche Mitschüler“, erinnert sich Döscher-Nottbohm.
Auf ein Gymnasium kam man damals mit einer Prüfung nach der vierten Klasse. Unterricht war auch sonnabends; für die Griechisch-Klasse war „Frühstunde“ angesagt, das heißt von 7.05 bis 7.50 Uhr. Schularbeiten übers Wochenende waren selbstverständlich; überfüllte Klassen (40 bis 50 Schüler) auf Klassenbänken in zu kleinen Räumen; Tafelwischen mit dem Schwamm in einer Wasserschüssel waren Standard. Zucht und Ordnung, anständiges Benehmen, die Primärtugenden waren normal. Verstöße gegen geltende Regeln wurden entsprechend geahndet.
Jahrelang musste Schulgeld bezahlt werden. Für Klassenfahrten wurde über die Schule von jeder Familie monatlich Geld angespart, die Fahrten mit Referaten durch die Schüler vorbereitet. „Nach dem zweiten Weltkrieg konnten viele Eltern die Kinder nur unter großem Verzicht zum Gymnasium schicken“, sagt Döscher-Nottbohm.
„Aus nichts mach etwas“ war die Devise. Es wurden Chor und Orchester aufgebaut, Schulopern, Theaterstücke, Konzerte gegeben, Schulfeste und Sportveranstaltungen gefeiert. „In Physik und Chemie hatten wir einen liebenswerten Lehrer, aber keine fachgerechte Ausstattung. Ich hatte stets Angst, in die Luft zu fliegen“, erinnert sie sich. Trotz einfacher und strenger äußerer Bedingungen habe sie für damalige Verhältnisse eine unbeschwerte Schulzeit erlebt. (nz)

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