
Grantz nahm die Einladung zum offenen Gedankenaustausch wörtlich und spießte latentes Konkurrenzdenken auf, indem er Passagen aus einem Interview zitierte, das der Vorsitzende des Cuxhavener Wirtschaftsrates und ehemalige Oberkreisdirektor Höppner der Niederelbe-Zeitung gegeben hatte. Da hatte Höppner Cuxhaven mit der Nase vor Bremerhaven gesehen bei der Entwicklung zum Windkraftstandort. Er hatte sich auch gefreut, dass der Kreis mit seiner bipolaren Ausrichtung nach Bremen und nach Hamburg auf zwei Klavieren spielen könne und sollte.
Das rieb Grantz dem Vorsitzenden des Wirtschaftsrates vor den versammelten Entscheidungsträgern des Kreises dermaßen genüsslich unter die Nase, dass Höppners Gesichtsfarbe daraufhin mit dem Rot seiner Krawatte zu wetteifern schien.
Trotzdem bat der Vorgeführte „herzlich um Verständnis“, dass Cuxhaven seine besondere Ausrichtung auf zwei Metropolregionen im eigenen Interesse nutzen müsse. Der Hafenbau an der Niederelbe sei ein ganz großes Thema. Dass er Bremerhaven die Kraft wünsche nachzuziehen, sei leider in dem zitierten Interview hinten runter gefallen. Hintergrund: In Cuxhaven gibt es die Schwerlastplattform für das Verladen der schweren Bauteile für Windanlagen bereits, in Bremerhaven sucht man noch die privaten Investoren für den Offshore-Terminal, wie Grantz berichtete.
Für das Bremerhavener Stadtoberhaupt Grantz schien der Verweis auf die immer wieder aufflackernde Konkurrenz zwischen den beiden Hafenstädten der dramaturgische Griff, um eine „Bombe“ platzen zu lassen. Das gelang ihm mit der Nachricht, dass man in Wilhelmshaven Tripods für Windanlagen bauen wolle. Sollte heißen: Bremerhaven und Cuxhaven sollten an einem Strang ziehen, denn die Konkurrenz schläft nicht – weder direkt vor der Haustür noch in der europäischen Nachbarschaft. Nach dem Geplänkel verlief dieser Abend in der Sellstedter Kulturscheune nur noch harmonisch.
Aktuell habe man noch die Verantwortlichen des Bremer Flughafens hinzugezogen, die wie Bremerhaven großes Interesse hätten, den Flugplatz in Nordholz weiterzuentwickeln. Solche Worte klingen wie Musik in den Ohren der Verantwortlichen im Kreis. Sie wurden viel gescholten für ihr Engagement, den Nordholzer Militärflughafen auch für zivile Zwecke zu nutzen, was über Jahre wie vergebene Liebesmüh aussah. „Der lange Atem hat sich gelohnt“, betonte Landrat Kai-Uwe Bielefeld (parteilos). Der Nordholzer Bürgermeister Bernhard Jährling (SPD) frohlockte auch. Er fügte einen Werbeblock ein für das 50-Hektar-Gewerbegebiet, das am Nordholzer Flughafen weitgehend leer steht.
Grantz sieht die Fusion der beiden Sparkassen in der Stadt und im Kreis auf gutem Weg und nannte als Datum den Jahresbeginn 2013. Ebenso stellte er die Krankenhausreform in Bremerhaven dar. „Künftig können wir uns nur noch zwei Träger vorstellen“, meinte er. Die städtische Stiftung mit dem Klinikum Bremerhaven auf der einen und die DRK-Krankenanstalten Wesermünde mit der Bürgerpark-Klinik sowie die Franziskus-Stiftung mit dem St.-Joseph-Hospital auf der anderen Seite, die wie ein Träger agieren müssten. Bielefeld, Vorsitzender des Verwaltungsrats der DRK-Krankenanstalten widersprach nicht, fügte nur hinzu: „Über den Weg müssen die beiden aber selbst entscheiden.“

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