
„Natürlich habe ich viele Erinnerungen an die Vergangenheit, insbesondere an den Krieg. Manches ist klar, manches lückenhaft“, erzählt der 85-Jährige. Das trifft auch auf sein Mini-Kochbuch zu. Etwas größer als eine Zigarettenschachtel und rund 100 Seiten stark, wurde es von dem Sudetendeutschen in feinster Miniaturschrift auf Toilettenpapier verfasst. „Ich benutzte einen Tintenstift. Allerdings kann ich mich nicht mehr erinnern, von wem ich diese Rezepte bekam.“
Schinzel berichtet weiter: „Geschrieben habe ich das Buch in US-Gefangenschaft in Darmstadt. Gebunden ist es in der Pappe der amerikanischen Rationen-Packs. Aus Gesprächen mit Mitgefangenen habe ich mir wahrscheinlich die Rezepte gemerkt. Essen war ein beliebtes Thema. Wir hatten alle ständig Hunger.“
Vor einigen Wochen zeigte der Ruheständler in gemütlicher Runde im Heimatmuseum das Büchlein. Die anwesenden Damen waren begeistert und fix war die Idee geboren, das eine oder andere Rezept auszuprobieren.
Gesagt, getan. Doch bei der Auswahl der Gerichte taten sich Schinzels Ehefrau Dorothea, Erika Schüschke und NZ-Mitarbeiterin Imelda Renndorff schwer – waren doch Namen und Zutaten teils verwirrend. Da wurde von „geselchtem“ Fleisch und „gesottener“ Milch geschrieben. Und fantasievolle Namen wie „Mäusttorte“, „Semmelschnaran“ oder „Schöpsenfleisch mit Gemüse“ halfen nicht bei der Auswahl. Auch „Akuwanken“ blieben ein Rätsel. Es existiert ein Inhaltsverzeichnis, doch manches Gericht konnte nicht zugeordnet werden. Die Damen bleiben aber weiterhin am Ball.
In Schüschkes Küche wurde dann munter gebrutzelt und gebraten. Ausgestattet mit Lupe (nur mit dieser Hilfe sind die sehr kleinen Buchstaben zu lesen) setzten die drei Neuenwalderinnen die Anleitungen um. Heraus kam – Überraschung – eine leckere Mahlzeit. Zusammen mit Waldo Schüschke wurde alles probiert – und es blieb kaum etwas übrig. (ire)

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