
Vor ihm liegt eine Karte mit einer rot gestrichelten Linie und schwarzen Zahlen. Sie geben an, wie weit die Trasse von den Wohnhäusern entfernt ist. Mal 200, mal 300, mal 500 Meter. Viel zu nah, findet der Verwaltungschef. Seit drei Jahren kämpft er mit der Autobahn. Damals hat Hannover festgelegt, dass die bevorzugte Trasse quer durch seine Gemeinde führt, nördlich an Düring vorbei, zwischen Bexhövede und Loxstedt hindurch, im Bogen um den Ort herum, bevor sie bei Hohewurth auf die A 27 mündet. Inzwischen steht fest, dass es diese Linie wird.
Wellbrock schüttelt den Kopf. „Schlinge“ nennen die Loxstedter die Trasse, die den 5400-Seelen-Ort quasi einkreist. Der Gemeinderat hat sie klar abgelehnt, der Bürgermeister selber war als Bittsteller in Hannover und Berlin unterwegs, um sie abzuwenden. Ohne Erfolg. „Wir sind genauso abgeblitzt wie die Bürger“, sagt er. Es klingt ernüchternd. Dass Naturschutz wichtiger ist als die Menschen, könne man den Anwohnern nicht verständlich machen, sagt der Verwaltungsmann.
Tatsächlich ist es so. An die Alternativtrasse südlich des Stoteler Sees, die Loxstedt favorisiert hatte, wollten die Planer nicht heran. Weil sie durch ein Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung führt. Die Autobahn-Verfechter fürchten, dass etwaige Klagen Erfolg haben könnten. So blieb nur die Schlinge. Denn „der Faktor Mensch ist beherrschbar“, wie die Planer sagen. Will heißen: Vor Gericht kann man gewinnen.
Gut 20 Kilometer weiter westlich, im Beverstedter Rathaus, sitzt Wellbrocks Kollege Ulf Voigts und zeigt sich hoffnungsvoller: „Wir können auf die Planung Einfluss nehmen.“ Die Interessen von Wirtschaft und Natur, Anwohnern und Bauern unter einen Hut zu bringen, ist sein Ziel. Die A 20 zerschneidet seine Samtgemeinde, von Loxstedt kommend trennt sie Lunestedt und Heerstedt, kreuzt dann bei Gut Dohren die Bundesstraße 71 und entschwindet in der Einsamkeit zwischen Wollingst, Appeln und Frelsdorf Richtung Hipstedt.
In Beverstedt sind die Meinungen über die A 20 geteilt. Allen ein Dorn im Auge ist die geplante Abfahrt an der schmalen Kreisstraße 41 zwischen Appeln und Frelsdorf. „Die Straße und auch die enge Ortsdurchfahrt in Frelsdorf sind für Lkw-Verkehr überhaupt nicht ausgelegt“, warnt Voigts. Die Räte in Appeln und Frelsdorf haben sich klar gegen die Trasse ausgesprochen, auch in Lunestedt, wo die Autobahn nahe am Ort vorbeiführt, überwiegt die Kritik. Im Samtgemeinderat ringen Kritiker und Befürworter heftig miteinander, mit der Mehrheit der SPD/Grünen/Dieck-Gruppe hat er sich inzwischen gegen die Trasse positioniert.
Die CDU verteidigt die A 20. „Wir brauchen die Autobahn, damit der Nordwesten nicht abgekoppelt wird“, betonen Claus Götjen und Manfred Tönjes unisono. Tönjes, Bürgermeister von Heerstedt, braucht sie noch aus einem anderen Grund: Damit sein Dorf, das unter der viel befahrenen Bundesstraße 71 leidet, vom Lkw-Verkehr entlastet wird.
Zudem hofft mancher Kommunalpolitiker, nicht nur in der CDU, dass die Autobahn die Wirtschaft ankurbelt. Beverstedt wie Loxstedt haben Gewerbegebiete in günstiger Lage ausgewiesen – das Gebiet Wachholz an der B 71, den Loxpark an der Autobahnabfahrt Stotel – beide hoffen auf Nachfrage, wenn die A 20 da ist. Autobahnen sind Wohlstandsachsen, glaubt auch Detlef Wellbrock. Zumindest auf lange Sicht. Loxstedts Bürgermeister – darauf legt er Wert – ist kein Autobahn-Gegner. Aber die Trasse, sie liegt ihm schwer im Magen.

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