
Weder Pächterin Kuklinski noch die Eigentümer hatten den Bagger bestellt. Kuklinski alarmierte die Polizei. Die kam umgehend und verfügte einen Baustopp. Dabei wurde deutlich, dass ein Vertreter der Anlieger des Sees den Bagger geordert haben musste.
Der Nachbar räumte auch tatsächlich der NORDSEE-ZEITUNG gegenüber ein: „Wir mussten es leider wieder abbrechen mit dem Bagger.“ Mehr wollte er dann aber doch nicht erzählen.
Landwirt Karsten Harrje war auskunftsfreudiger. „Die Anwohner sind wohl ein bisschen zu eifrig gewesen“, meinte er. Harrje vertritt die Eigentümer des Sees. Das sind die Besitzer der landwirtschaftlichen Flächen in Schiffdorf, die in einer Gemeinschaft der Teilungs- und Kopplungsinteressenten zusammengeschlossen sind.
Wie viele Personen sich als Eigner des Sees betrachten dürfen, vermag Harrje gar nicht zu sagen. Nur, dass immer rund 50 Leute zu den Versammlungen kommen. Der Vorsitzende betonte allerdings, dass der Baggereinsatz am See zum jetzigen Zeitpunkt auf gar keinen Fall im Sinne dieser Eigentümer und schon gar nicht im Sinne des Kreises war. Die Teilungs- und Kopplungsinteressenten hätten überhaupt erst im März 2011 gefragt werden müssen, wenn sie sich zu ihrer routinemäßigen Versammlung treffen.
Die ganze Sache geht zurück auf einen Ortstermin Mitte August, bei dem die Anlieger im Beisein des Schiffdorfer Bürgermeisters Klaus Wirth vorschlugen, den See auszubaggern. Sie befürchten, dass er verlandet und die Fische sterben könnten. Allerdings sei bei diesem Ortstermin auch ganz deutlich geworden, dass man nicht sofort den Bagger holen könne, sondern die Genehmigung des Landkreises einholen müsse, betont Harrje.
Die Anlieger hätten die Kosten für den Baggereinsatz übernehmen wollen und einen Voranschlag zur Gemeinde geschickt. Dort und in der Interessentengemeinschaft aber habe niemand damit gerechnet, dass nun gleich der Bagger auffahren würde.
„Das ist etwa so, als würde ich zu Ihnen nach Hause gehen und einfach die Tapeten abreißen“, machte Harrje deutlich, dass zunächst die Eigentümer und – ganz wichtig – Naturschutz- und Wasserbehörde beim Kreis hätten Ja sagen müssen. Bürgermeister Klaus Wirth bestätigte das.
Anlass für den illegalen Baggereinsatz war ein Vorgang, den alle in diesem brütend heißen Sommer beobachteten. Der Wasserspiegel des vier Hektar großen und knapp zwei Meter tiefen Sees fiel um 60 Zentimeter.
Pächterin Kuklinski will Anzeige erstatten. „Ich muss“, sagt die Fotografin. Denn sonst müsste sie noch damit rechnen, für die Folgen der illegalen Buddelei zu haften. Außerdem will sie jetzt den freien Zugang zum See sperren. Kuklinski: „Eigentlich schade.“
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