CDU-Kreisverbandschef Enak Ferlemann und Kreistagsfraktionschef Claus Götjen hatten zu einer Tagung nach Bad Bederkesa eingeladen. Auch der parteilose Landrat Kai-Uwe Bielefeld, seine Dezernentin Meike Jahns und die CDU-Landtagsabgeordneten David McAllister, Astrid Vockert und Hans-Christian Biallas ließen keinen Zweifel daran, wie wichtig ihnen die Strukturdebatte ist.
„Das werden noch ganz harte Debatten“, prognostizierte Ferlemann. Auslöser ist die dramatische Bevölkerungsentwicklung im Cuxland. Schon in zehn Jahren wird die Einwohnerzahl auf rund 185 000 gesunken sein. Das hat das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung ermittelt. Das ist ein Verlust von rund zehn Prozent.
Hohe Bevölkerungsverluste werde es für die Stadt Cuxhaven und die Samtgemeinden Am Dobrock, Börde Lamstedt und Sietland geben. Stagnation ist für die Gemeinde Loxstedt zu erwarten. Leichte Gewinne werden Langen, Nordholz sowie die Samtgemeinden Bederkesa und Hemmoor verzeichnen können. Mittlere Gewinne prognostizieren Experten den Samtgemeinden Hagen, Beverstedt, Land Hadeln und der Gemeinde Schiffdorf. Hohe Gewinne sind in der Samtgemeinde Land Wursten zu sehen.
So ist auch für Hagens Samtgemeindebürgermeisterin Susanne Puvogel am wichtigsten, „wie die großen Einheiten organisiert und mit welchen Inhalten sie gefüllt werden“. Für Klaus Wirth, Bürgermeister der Gemeinde Schiffdorf, machen größere Einheiten Sinn, „wenn Geld gespart wird“. Nur stelle sich die Frage, „ob bei rund 55 000 Einwohnern noch Bürgernähe funktioniert?“ Beverstedts Samtgemeindebürgermeister Ulf Voigts findet es gut, dass das Thema „überhaupt auf den Tisch kommt“. „Wir haben als Samtgemeinde den ersten Schritt damit getan, dass wir uns zur Einheitsgemeinde umbilden. Jetzt müssen erst mal die anderen Gemeinden folgen.“ Einig sind sich alle, dass mit größeren Einheiten auch die Zukunft des Landkreises auf dem Spiel stünde. So sagt Thorsten Krüger, Bürgermeister der Stadt Langen: „Es muss die Frage erlaubt sein, ob wir bei den von Herrn Ferlemann angedachten vier Großkommunen überhaupt noch einen Landkreis benötigen.“ Schnell wäre man laut Wellbrock und Puvogel bei einer Fusion mit Stade und Osterholz.
Nordholz Bürgermeister Bernhard Jährling würde lieber selbstständig bleiben, „aber wir haben wohl keine Wahl“. Wohin die Reise gehen soll – zur Stadt Cuxhaven oder zu Wesermünde Nord –, sollte durch eine Bürgerbefragung entschieden werden. Sven Wojzischke, Bürgermeister der Samtgemeinde Bederkesa, wollte sich „zum Thema Fusion nicht mehr äußern“. Jörg-Andreas Sagemühl (CDU), stellvertretender Samtgemeindebürgermeister in Land Wursten, sagt: „Wir verfolgen weiterhin zunächst das Ziel, mit Nordholz zu fusionieren. Sollte das nicht klappen, müssen wir gucken, was passt größenmäßig zusammen. Die Fusion mit Nordholz wäre aber nur ein erster Schritt.“ (hei, cd, lit, as, us, gd)
Möchten Sie in Haschilobe wohnen? Die Menschen in Gladbeck, Bottrop und Kirchhellen wollten Anfang der 70er Jahre jedenfalls keine Glabottkis sein. Angesichts des Bevölkerungsrückgangs ist es sicherlich löblich, dass sich die Kreis-CDU Gedanken über künftige Verwaltungsstrukturen macht, doch redet man hier nicht nur über Schulden und rückläufige Steuereinnahmen, sondern auch über Menschen und die gewachsenen Strukturen einer jeden Gemeinde. Da ist für einige der Name des neuen Gebietes vielleicht noch das geringste Problem, aber wollen die Hagener, Schiffdorfer, Loxstedter und Beverstedter wirklich Haschilober sein? Die Menschen des Altkreises Wesermünde sind doch heute noch nicht warm mit dem Kreishaus in Cuxhaven. Größe allein reicht nicht, auf die Inhalte kommt es an. Wie soll so ein großer Sprung gelingen, wenn zum Beispiel in der Samtgemeinde Hagen der erste Schritt zur Bildung einer Einheitsgemeinde schon nicht glückt.

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