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Steuer bringt Reiter in Rage

Kreis Cuxhaven. „So ist es brav.“ Liebevoll klopft Miriam der Stute Winnipeg auf den Hals. Seit eineinhalb Jahren nimmt die Neunjährige Reitunterricht auf dem Hof Marschalk-Pecksen in Elmlohe. Damit könnte bald Schluss sein: „Wenn die Pferdesteuer kommt, machen wir den Betrieb dicht“, sagt Jan-Cord Pecksen. 38 000 Euro Mehrkosten – für ihn untragbar. Im Kreis wären mehr als 500 Besitzer betroffen. Von Herbert Klonus und Milena Tauber

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„ Bei uns reiten keine Millionäre “: Susanne Pecksen (links) glaubt, dass die Zahl der Reitschüler rapide sinken würde, wenn die Pferdesteuer käme und Reitunterricht teurer würde. Miriam, hier auf Schulpferd „Winnipeg“, macht sich darüber noch keine Gedanken. Foto mau

Laut statistischem Landesamt gibt es 490 professionelle Züchter im Cuxland, die insgesamt 3870 Pferde halten. Hinzu kommen schätzungsweise mehrere Hundert Hobbyreiter mit eigenen Pferden, die nicht registriert sind.

Der Elmloher Jan-Cord Pecksen gehört zu den Profis im Zuchtgeschäft. Gemeinsam mit seiner Frau Susanne führt er den Reit- und Zuchtbetrieb Marschalk-Pecksen als Familienunternehmen in der dritten Generation mit viel Herzblut. Deshalb würde es ihn besonders treffen, wenn er wegen der Pferdesteuer von bis zu 750 Euro pro Pferd und Jahr den Betrieb mit den rund 50 Tieren aufgeben müsste.

Auch wenn der Niedersächsische Städtetag gestern einen Rückzieher machte und nach heftigem Protest aus allen Richtungen davon sprach, bei der Pferdesteuer als möglicher Einnahmequelle für Kommunen falsch zitiert worden zu sein, sorgt das Thema weiter für Aufregung.

So weist Jan-Cord Pecksen auf die ohnehin schon angespannte finanzielle Lage der Zuchtbetriebe hin. Dafür sorgten die steigenden Energiekosten und die höheren Futterpreise aufgrund der schlechten Ernte 2011. Pecksen: „Alles wird teurer: Im vergangenen Jahr hat ein Doppelzentner Hafer noch 14 Euro gekostet, jetzt bezahlen wir 25 Euro.“

„Das sind keine Millionäre“

Die Mehrkosten auf die Reitschüler abzuwälzen, sei auch nicht realistisch. Pecksen: „Das sind ja keine Millionäre, die bei uns reiten, sondern Kinder aus Arbeiterfamilien. Wenn da die Stunde mal eben drei Euro mehr kostet, wird’s bei vielen eng.“

Dass am Ende die Kinder die Leidtragenden sein könnten, ärgert Susanne Pecksen besonders: „Es gibt Jugendliche, die in den Sommerferien jeden Tag hier verbringen, mithelfen und reiten, anstatt vor dem Computer zu hängen.“ Dazu zählt auch der 17-jährige Johannes Wessels, der seit zehn Jahren auf dem Hof reitet. Während der Ferien verdient er sich seine Reitstunden mit Pferdepflege. „Wenn die Stunden teurer werden, werde ich trotzdem weiterhin kommen“, sagt er.

Madelaine Rüschmann hingegen würde ihr Pferd Alena verkaufen müssen, wenn die Steuer käme. Die 18-Jährige schaut vom Rand des Platzes zu, wie ihre achtjährige Schwester Nele stolz auf der braunen Stute sitzt. „Ich bin noch in der Ausbildung. Wir können uns das dann nicht mehr leisten“, sagt sie.

Auch Heiko Weichert, Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Wesermünde, mag sich gar nicht vorstellen, dass die Pferdesteuer tatsächlich erhoben wird. „Wer sollte 750 Euro pro Pferd bezahlen können? Das ist überhaupt nicht machbar.“

Politisch findet die Pferdesteuer-Idee auch keinen Anklang. Ministerpräsident David McAllister (CDU), in der Samtgemeinde Bederkesa als einer der „Pferde-Hochburgen“ zu Hause, bezieht klar Stellung: „Das ist mit mir nicht zu machen. Da bremsen wir alle mit den Hufen.“ Auch sein Kabinett habe diese Haltung in der Sitzung am Dienstag nochmals bekräftigt. McAllister: „Die Pferdezucht und der Pferdesport haben hier einen ganz besonderen Stellenwert. Tausende Arbeitsplätze hängen davon ab. Die dürfen nicht gefährdet werden.“

Ebenfalls zu Wort meldete sich gestern der FDP-Politiker Bernd Vogel aus Loxstedt: „Das ist ein absurder Vorschlag. Es drohen nicht nur Arbeitsplatzverluste, auch die vielen Sportangebote für Kinder und Jugendliche und das therapeutische Reiten wären gefährdet.“ Genauso sehen das auch die Bürgermeister in den Kommunen des Altkreises Wesermünde. Ulf Voigts aus Beverstedt spricht für viele seiner Kollegen: „Das ist bei uns kein Thema.“

Artikel vom 16.08.12 - 16:00 Uhr
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