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Ein Dorf versorgt sich selbst


Moorausmoor. Moorausmoor ist nicht gerade der Nabel der Welt. 180 Einwohner, eine Kreuzung, ein Gasthof. Doch das kleine Dorf zwischen Lintig und Lamstedt arbeitet mit Hochdruck an der Energiewende. Bauarbeiter verlegen derzeit fast vier Kilometer Leitungen. Für ein Fernwärmenetz. Ab Oktober ist das Dorf unabhängig von den Energiekonzernen: Es heizt dann mit Biogas aus dem eigenen Netz. Von Inga Hansen


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Moorausmoor läutet die Energiewende ein: Ab Oktober wird das 180-Seelen-Dorf mit Wärme aus der Biogas-Anlage von Harry Wesch beheizt.

Am Ortsrand ragen die grünen Kuppeln der Biogas-Anlage von Bauer Harry Wesch in den Himmel. Seine künftige Schwiegertochter steht davor und dirigiert die Bauarbeiter. „Es ist ja ein Wahnsinnsprojekt, wenn das ganze Dorf verkabelt wird“, sagt Anne von der Fecht und lächelt. Sie hat das Projekt maßgeblich mit vorangetrieben. Denn für die Bauernfamilie lohnt die Biogasanlage mehr, wenn sie nicht nur den Strom ins Netz einspeist, sondern auch die Wärme nutzt. Und die Dorfbewohner können mit Biogas-Wärme weit billiger heizen. „Davon profitieren alle“, sagt die 24-Jährige.

Eine Idee, die nahezu das ganze Dorf überzeugte. Das ist das Besondere an Moorausmoor: Kleine Fernwärmenetze rund um Biogasanlagen gibt es auch anderswo. In dem Dorf aber gründeten die Einwohner eine Genossenschaft, um das Fernwärmenetz auszubauen und zu betreiben. Für eine Einlage von 2500 Euro konnte jeder Mitglied werden. Damit können die Moorausmoorer die Investitionskosten von rund 600 000 Euro stemmen. So teuer ist es, die Haushalte in dem weitläufigen Dorf an das Rohrleitungsnetz anzuschließen.

Heizen wird günstiger

Die Wärme, die bei der Verbrennung des Biogases entsteht, wird in einem Wasserbecken gespeichert und per Leitung und Pumpen in die Wohnzimmer gebracht, erläutert Anne von der Fecht. Für die Moorausmoorer wird das viel günstiger als bisher: „Wir konnten unseren Mitgliedern garantieren, dass sie 30 Prozent weniger Heizkosten zahlen“, sagt Anne von der Fecht, die im Vorstand der Genossenschaft sitzt.

Eine Rechnung, die die Dorfbewohner schnell überzeugte. Binnen weniger Wochen hatten sie die Genossenschaft auf der Taufe gehoben. „Es ging ein richtiger Ruck durchs Dorf“, freut sich von der Fecht. Ein Tempo, dass das Planungsbüro Michael Goralski aus Bochum, das die ganze Sache begleitet, überraschte. „So etwas hatten die noch nicht erlebt.“

Aber die Vorteile sprechen eben für sich. Die Genossen müssen zwar die Kredite fürs Fernwärmenetz über die Heizrechnung abbezahlen, wirtschaften damit aber in ihre eigene Tasche. „Wenn das Netz in zwölf Jahren abbezahlt ist, wird das Heizen noch billiger“, sagt von der Fecht. Für den Bauern lohnt es sich ohnehin, auch wenn er den Dorfbewohnern die Wärme kostenlos zur Verfügung stellt.

Drei Cent Aufschlag pro Kilowattstunde bekommt er zusätzlich vom Staat, weil mit der Wärme aus seiner Biogas-Anlage geheizt wird. Hinzu kommen viele Sympathiepunkte von den Nachbarn. Während anderswo schwere Erntefahrzeuge für Ärger sorgen, werden sich die Moorausmoorer kaum darüber beschweren. Denn sie wissen, dass die jetzt dafür sorgen, dass es im Winter warm wird.

Fernwärmenetz

Die Moorausmoorer haben eine Genossenschaft gegründet, um das ganze Dorf mit Wärme aus der Biogas-Anlage von Landwirt Harry Wesch zu versorgen. Das Rohrleitungsnetz wird 3700 Meter lang und kostet rund 600 000 Euro. Finanziert wird es über die Einlagen der 34 Mitglieder und über Kredite. Trotz der Investition wird das Heizen für die Dorfbewohner um ein Drittel billiger. Auskünfte zum Konzept gibt es unter 0152/05 41 02 21.

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Moorausmoor läutet die Energiewende ein: Ab Oktober wird das 180-Seelen-Dorf mit Wärme aus der Biogas-Anlage von Harry Wesch beheizt.
Artikel vom 30.08.12 - 16:00 Uhr
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