
Kaum war er in geheimer Wahl bei einer Enthaltung zum neuen Bürgermeister gewählt worden, lobte Rainer Müller auf Plattdeutsch das Wirken seines Parteifreundes. Mit Blick auf die mehr als 40 Jahre währende politische Vita des Köhleners sowie dessen Verdienste für Ort und Landkreis überreichte er Martin Döscher sen. die Urkunde zum Ehrenbürgermeister. Alle Ratsmitglieder, die Verwaltungsspitze der Samtgemeinde und die vielen Bürger im Dorfgemeinschaftshaus erhoben sich und applaudierten.
Klaus Kaliske vom Kreisverband des Städte- und Gemeindebundes fügte den wohlgesetzten Worten weitere hinzu. Döschers Engagement für die Gemeinde sei einzigartig. Allein die Tatsache, dass er seit 1972 achtmal ununterbrochen zum Bürgermeister gewählt worden sei, habe er, Kaliske, noch nirgends erlebt.
Samtgemeindebürgermeister Sven Wojzischke (CDU) bezeichnete Ehrenbürgermeister Döscher unter anderem als „Leuchtturm des kommunalen Ehrenamts mit Ausstrahlung weit über Köhlen hinaus“. Döscher sei in jeder Hinsicht ein Vorbild für Andere.
Langens Bürgermeister Thorsten Krüger (SPD) gratulierte „im Namen der Fusionsgemeinde“ und bedankte sich für Döschers Unterstützung im Fusionsprozess. In Anlehnung an ein Zitat des Autobauers Ford wünschte sich Krüger, dass Martin Döscher sen. auch künftig Motor sein möge.
Vor der Wahl des neuen Bürgermeisters hatte sein Sohn Martin (ebenfalls CDU) eine Erklärung verlesen, in der er klarstellt, dass Müller von Bürgermeister Döscher vor der Kommunalwahl gefragt worden sei, ob er kandidieren wolle. „Rainer Müller hat mitgeteilt, dass er aus beruflichen Gründen nicht zur Verfügung stehe und hat mich für dieses Amt vorgeschlagen“, sagte Döscher jun. „Ich habe mich unter der Bedingung dazu bereiterklärt, dass das von der damaligen Fraktion so gewünscht wird.“ Nachdem die Kandidatenaufstellung mehrfach vorbesprochen, einmütig beschlossen und veröffentlicht worden sei, „ereigneten sich zum Teil recht merkwürdige Dinge“, meinte Döscher jun. Ohne es auszusprechen, spielte der Christdemokrat auf Wahlkampf-Anzeigen an, in denen die Ära seines Vaters verunglimpft werden sollte.
Rainer Müller, seit zehn Jahren im Rat, räumte seinen Sinneswandel ein. Nach seinem beruflichen Wechsel und damit verbundenen Herausforderungen habe er nach Rücksprache mit der Familie zunächst das Amt des Bürgermeisters nicht wahrnehmen wollen. Aber das Stimmergebnis habe ihn dazu bewogen, seine Meinung zu ändern. Müller kann sich nicht erklären, „was den einen oder anderen dazu bewogen hat, Publicity zu machen“. Der neue Bürgermeister bezeichnete diese Vorgänge ebenfalls als „Schnee von gestern“ und wünschte sich mit dem Rat eine gute Zusammenarbeit für Köhlen.
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