
„Pullover“ steht auf einem Behälter, „Jacken“ und „Haushaltswaren“ auf den anderen. Ein junger Mann steht an einem großen Tisch voller Altkleider, untersucht die einzelnen Teile und wirft sie dann in die jeweiligen Abteilungen. Plötzlich öffnet sich mit einem Zischen der Boden unter dem Behältnis mit Haushaltsware: Handtücher, Gardinen und Bettlaken fallen auf ein Förderband und werden zur nächsten Station transportiert, wo sie in unterschiedliche Qualitäts-Kategorien sortiert werden.
„Früher hätten Mitarbeiter die gleiche Menge Textilien in acht Fuhren zur nächsten Station transportieren müssen“, sagt Umut Kursun, kaufmännischer Leiter und Prokurist der East-West Textilrecycling Kursun GmbH, „heute ist es ein Arbeitsschritt.“ Früher, das war vor August vergangenen Jahres, als die neue Sortieranlage in Betrieb genommen wurde. Rund 1,5 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Maschine investiert. Sie könnte bis zu 100 Tonnen Altkleider am Tag umschlagen. Derzeit sind es etwa 50 bis 70 Tonnen. Arbeitsplätze sind laut Kursun nicht gefährdet, im Gegenteil: „Derzeit überlegen wir, eine weitere Schicht einzuführen.“ Dann könnten zusätzliche Arbeitskräfte benötigt werden.
Mehr als 3000 Sammelcontainer des Unternehmens stehen in Deutschland. Alles, was Textil ist, wird gesammelt, Schuhe auch. Der Lastwagen schüttet die Säcke direkt in die Sortieranlage. Auch hier wird ein Arbeitsschritt eingespart: „Das Entladen der Fahrzeuge war kein beliebter Job“, erzählt Kursun. Im Winter kalt, im Sommer zu heiß. Die Mitarbeiter sind dankbar, dass das jetzt wegfällt.
In der Halle findet die Sortierung statt: Alles, was nicht textil ist, muss raus. Blumendekoration, Staubwedel oder ganz normalen Hausmüll werfen manche Leute in die Container. „Etwa zehn Prozent des Inhalts müssen wir entsorgen“, sagt Kursun.
Dann wird nach Art der Kleidung sortiert: Jacke zu Jacke, Hose zu Hose. Übers Fließband gelangen die Kleider dann zur letzten Sortierung: Kleider und Schuhe, die weiter getragen werden können, werden vor allem nach Osteuropa und in afrikanische Länder verschifft. Dort werden sie in Second-Hand-Shops verkauft.
Fehlt ein Knopf an der Hose oder ist der Hemdkragen verschmutzt, wird das Teil meist nach Pakistan verkauft, wo die Kleidung ausgebessert wird. Untragbares wird an weiterverarbeitende Unternehmen verkauft und endet zum Beispiel als Putzlappen. „Wir recyclen zu 100 Prozent. Es entsteht also weniger Müll und die Umwelt wird entlastet“, sagt Kursun.
Langens Bürgermeister Thorsten Krüger ist erfreut über die Investition: „Einerseits werden damit Arbeitsplätze gesichert. Andererseits freue ich mich über das Vertrauen in die Stadt Langen als Wirtschaftsstandort.“ Offensichtlich setzen viele Unternehmer auf Langen: Im vergangenen Jahr wurden 123 neue Gewerbe im Stadtgebiet angemeldet.
Umuts Vater Zeki Kursun fuhr in den 1980er Jahren regelmäßig von Bremerhaven nach Ost-Berlin, um auf einem großen Flohmarkt Altkleider zu verkaufen. Heute macht das Unternehmen rund 8 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Im Verbund der „East-West Group International“ arbeiten in Südamerika, Afrika und Europa rund 500 Mitarbeiter in Partner-Unternehmen. Zeki Kursun und sein Bruder Avni sind oft im Ausland unterwegs, um die Verfahren zu verbessern. Der 30-jährige Umut Kursun hält dann in der Zentrale die Stellung.
Auch in den USA sitzen Kunden. Dort sind vor allem Federbetten aus Deutschland beliebt. Die gebrauchten Federn werden in einer Trommel gereinigt und mit frischen Daunen angereichert. „Für jedes neue Bett muss ein Tier seine Federn lassen“, sagt Kursun, „insofern tun wir nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch für die Tiere.“
Kontakt: 0 47 43/9 33 00, E-Mail: info@ewtk.com
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