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Ein Hochgericht samt Galgen

Nordholz. Man schrieb das Jahr 1692, als von Kleihens, der Droste von Langen, über „Norder-Neufeld“ herrschte. Er unternahm alles, um die Eigenständigkeit seines ererbten Gebietes zu erhalten. So veranlasste er unter Androhung von Strafe, dass die Huldigung für König Karl XI. durch die „Nordholtzer“, „Dieckes Ender“ und „Norder-Neufelder“ nicht in Dorum, sondern auf dem Nordholzer Gutshof stattfinde.

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In der Nordholzer Gaststätte „Stadt Frankfurt“ (Foto um 1900) wurde ab 1874 vom Landesgestüt Celle eine Deckstation betrieben. Repro esk

Die dort Hinbeorderten fanden sich durch ein üppiges Festmahl, bei dem sogar die damals sehr seltenen Apfelsinen gereicht wurden, für den Zwangsjubel entschädigt. Aber vor allem machte der befohlene Ehrerweis die Loslösung vom „alten Land Wursten“ deutlich. Die Schmähreden, die während der Feierlichkeiten auf dem Nordholzer Gutshof gegen die Vertreter des „alten Land Wurstens“ geführt wurden, taten ein Übriges.

Der Tod des Droste von Langen und die verheerende Weihnachtsflut von 1717, bei der alleine in „Norder-Neufeld“ 143 Menschen ertranken, zwangen die Erben zum Verkauf des größten Teils des Neufelder Besitzes. Letztendlich führte die stetige Verschuldung zum Verkauf des Gutsbesitzes. Daraus entwickelten sich die Domänen Schönort, Pompdamm, Halbmond und Lietherhof.

Weiter berichtet die „Chronik von Nordholz“, dass die mit der Grundherrschaft verbundene Gerichtsbarkeit an die kurfüstliche Hannoversche Kammer überging. Diese führte das Amt Nordholz, in dem inzwischen auch das Gericht Deichsende zu finden war, bis 1819 weiter.

Diebe wurden geköpft

Es gab sogar ein Hochgericht mit einem Galgen in Spieka-Knill. Es folgt ein spannender, aber auch recht grausamer Zeitungsbericht vom 1. Mai 1827. Darin wird die Hinrichtung von der dreiköpfigen „Schnellschen Diebesbande“ akribisch geschildert. Nicht nur sämtliche Begleiter, Gebete und Gesänge finden Erwähnung, sondern auch die dramatische Hinrichtung des Verbrechers aus Spiecaer Neufeldt. Der arme Sünder, der, genau wie seine zwei Kumpanen aus Deichs Ende und Oxstaedt, nicht gehängt, sondern geköpft werden sollte, musste einige Hiebe ins Gesicht ertragen, bevor sein Kopf fiel. Der Henker war für einen gezielten Schwert-streich zu nervös. Den anderen beiden blieb diese Tortur erspart, da der Scharfrichter ausgetauscht wurde.

1810 war die deutsche Nordseeküste noch ein Teil des französischen Kaiserreiches, doch 1813, nach den Befreiungskriegen kam es zu einer Neuordnung, während der 1819 das Amt Nordholz dem Amt Dorum zugeschlagen wurde. In das ehemalige Guts-haus zogen Zoll- und Grenzbeamten ein, denn zwischen dem hamburgischen Ritzenbüttel und dem Hannoverschen war ein leb-hafter Warenschmuggel entstan-den. Schleichwege führten auch durch die Nordholzer Tannen, noch heute gibt es einen „Schmuggelpfad“.

Da auch der offizielle Handel blühte, hielt Nordholz am 20. April 1816 den ersten „Kram- und Viehmarkt“ ab. Die im gleichen Jahr vom Landgestüt Celle eingerichtete Deckstation, die in der Waldwirtschaft untergebracht war, verlegte man 1874 zur Gaststätte Frey (Stadt Frankfurt).

Erst in den Jahren 1908 und 1909 wurden vor der Waldwirtschaft (heute: Gaststätte „Zum Grünen Walde“) weitere Viehmärkte abgehalten und – schon damals ein akutes Problem – aus Kostengründen wieder eingestellt. Das Marktrecht behielt Nordholz bis 1923. (esk)

Nordholzer Chronik

Der frühere Nordholzer Lehrer Heinz-Günther Reinhardt hat die wechselhafte Geschichte des Dorfes Nordholz bis zum Jahre 1972 gesammelt und aufgeschrieben. Auszüge aus dem 900-seitigen Werkn zwei Bänden mit über 900 Seiten stellt die NORDSEE-ZEITUNG in ihrer Serie Nordholzer Chronik vor.

Artikel vom 06.02.12 - 07:00 Uhr
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