
Der Katzenjammer war auf der Sitzung des Wurster Rates fast schon ein wenig verflogen. Ein paar Tage wissen die Kommunalpolitiker bereits um die Schreckensnachricht. Jetzt gab man sich kämpferisch. „Das Bad ist lebenswichtig für unsere touristische Entwicklung. Deshalb müssen wir Wege finden, es zu bauen“, betonte Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Neumann.
Einfach wird das nicht. 7,1 Millionen Euro waren für das Wellenbad eingeplant, die Finanzierung dafür stand. Drei Viertel davon sollten aus EU-Fördertöpfen fließen, den Rest – rund zwei Millionen Euro – wollte die klamme Küstenkommune selber finanzieren, größtenteils über Kredite. Grünes Licht aus Hannover hatte sie. Nun aber steckt sie in der Klemme: Mehr Schulden darf sie nicht machen. Zu große Abstriche am Wellenbad-Konzept aber auch nicht, denn dann wären die EU-Zuschüsse in Gefahr. Die gibt’s nämlich nur, wenn das neue Bad attraktiver wird.
Nun wollen Politik und Verwaltung schnellstmöglich diese Quadratur des Kreises hinbekommen. Die Ausschreibung ist gestoppt, noch vor Weihnachten will sich ein eigens gegründeter Arbeitskreis zusammensetzen, um zu prüfen, wo gestrichen werden kann. Am 19. Januar wollen sie das Ergebnis in Hannover präsentieren. In der Hoffnung, dass das abgespeckte Konzept die Gnade der Ministerialbeamten findet oder irgendwo noch Gelder locker gemacht werden.
Kleinlaut wirkten im Rat die Planer, die sich bei den Kosten des Bad-Neubaus verkalkuliert hatten. Deutlich wurde aber aus ihrem Vortrag, dass es nicht an ihnen liegt. Deutlich gestiegene Stahlpreise und eine überhitzte Konjunktur, die Handwerkerangebote ins Astronomische steigen ließen, waren dafür verantwortlich. Darin waren sich alle einig.
Bleibt die Frage, wo nun beim neuen Bad der Rotstift angesetzt werden soll. Geplant war eigentlich, im März mit dem Abriss des alten Schwimmbades zu beginnen. Anschließend sollte die Wurt um ein Drittel auf 5000 Quadratmeter vergrößert und dort ein neues, kombiniertes Hallen- und Freibad gebaut werden. Das Becken fürs Wellenbad soll mit 23 mal 57 Metern kleiner werden als derzeit, soll aber aufgewertet werden durch ein Extra-Entspannungsbecken mit Blick aufs Wattenmeer, schöner gestaltete Liegeflächen und einem abgetrennten Kinderbecken für die ganz Kleinen. Daneben soll ein beheiztes, 8 mal 16 Meter großes Hallenbad entstehen, das ganzjährig geöffnet ist, sowie ein neues Eingangsgebäude mit Umkleideräumen. Weder am Hallenbad noch am Wellenbecken noch an der Größe der Liegeflächen könne man rütteln, ohne die EU-Zuschüsse zu gefährden, betonten die Planer.
Ihre Überlegungen: Am Eingangsgebäude, am Windschutz – für ein Bad direkt am Wasser nicht unwichtig – und am Entspannungsbecken könne man sparen. Vielleicht sei es auch möglich, die alten Umkleideräume zu sanieren statt neue zu bauen. Ideen kamen also auf den Tisch. Ob sie aber ausreichen, um 1,8 Millionen Euro einzusparen, darf bezweifelt werden.
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