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Sturzflug im Formel-1-Tempo

Hagen. Seit Jahrtausenden übt die Falknerei eine große Faszination auf Menschen aus. Der berühmteste Falkner des Mittelalters war Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen (1194-1250). Sein Buch „De arte venandi cum avibus“ (Über die Kunst mit Vögeln zu jagen) ist Thema der neuen Ausstellung in der Burg Hagen.

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Falkner Norbert Nowka (links) gab auf dem Burghof Einblicke in die Greifvogeljagd. Sein zahmer Rotschwanzbussard ließ sich sogar streicheln. Foto fp

Um Besuchern einen persönlichen Einblick in die Greifvogeljagd zu ermöglichen, hatte der Kultur- und Heimatverein einen passionierten Falkner eingeladen. Experte auf dem Gebiet der Falknerei ist Norbert Nowka, Schulleiter in Uthlede.

Vor 120 kleinen und großen Zuschauern demonstrierte er auf dem Burghof den Umgang, das Training und die Flugakrobatik der eleganten Greifvögel. Unterstützt wurde er von Falkner Albin Schrutka aus Grasberg, der einen amerikanischen Wüstenbussard mitgebracht hatte. Nowka präsentierte neben einem Wanderfalken auch einen stattlichen Rotschwanzbussard und einen Uhu.

„Die Falknerei insgesamt hat sich kaum verändert. Vor Jahrtausenden ist diese Jagdform in den Steppen Asiens entstanden. Die Menschen mussten sich mit Fleisch versorgen. Für die Beizjagd wurden Sakerfalken und Wüstenfalken eingesetzt. Es gab damals ganze Falknerstaffeln, die dafür sorgten, dass die Tische der Großfürsten immer gut gedeckt waren“, erklärte Nowka.

Greifvögel seien von Natur aus sehr scheu. Für die Gewöhnung an den Menschen sei eine lange Ausbildung erforderlich. „Dressiert werden sie wie andere Tiere mit Belohnungen. Bei den Greifvögeln sind dies Fleischstückchen. Daher wird der Schutzhandschuh als positiver Landeplatz angenommen“, machte der passionierte Falkner deutlich.

Der Rotschwanzbussard sei ebenso wie der Wüstenbussard ein Bodenjäger. Der Wanderfalke hingegen erbeute zum Beispiel Tauben, Fasane oder Enten im Fluge. „Im Sturzflug ist der Wanderfalke etwa 320 Stundenkilometer schnell. Das Besondere daran ist, dass seine Augen wie eine Wärmebild-Kamera funktionieren. Das menschliche Auge müsste die Größe eines Tennisballes haben, um diese Sehkraft zu erreichen“, beschrieb Nowka die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Greifvogels. Sein äußerliches Erscheinungsbild sei von langen, spitzen Flügeln und einem relativ kurzen Schwanz geprägt. „Der Wanderfalke hat kleine Fänge, aber die Krallen sind nadelspitz. Er tötet seine Beute mit einem Biss“, so Nowka.

„Warum hat der Vogel denn einen Helm auf?“, wollte Leon (10) wissen. Nowka: „Die Kopfhaube dient dem Vogel zur Entspannung. Sonst ist er zu unruhig.“

Im Anschluss an die Ausführungen ließ Schrutka seinen Wüstenbussard frei fliegen. Nach kurzen Ausflügen in die hohen Bäume kam der Greifvogel, angelockt von kleinen Fleischstückchen, immer wieder brav zurück.

Im Kontext mit der Ausstellung in der Burg berichtete Nowka abends im Burgsaal in einem Vortrag über die geschichtliche Entwicklung der Falknerei vom Mittelalter bis heute. (fp)


Artikel vom 07.09.10 - 07:00 Uhr
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