
„Es war ein Herzenswunsch meiner Mutter, dass ihre Silberhochzeitsgäste auf diese traditionelle Weise eingeladen werden“, sagt Tochter Jasna Joost. Also fragte Martina Joost spontan Bärbel Meyer in Spieka, ob sie Lust hätte, von Haus zu Haus zu ziehen, um die Gäste zur Hochzeitsfeier zu bitten. Die zögerte nicht lange, warf sich mächtig in Schale, nahm sich Ulrike Haidinger „zum Mann“ und los ging es. Immerhin, das Pärchen hatte einen beachtlichen Parcours vor sich. Insgesamt 50 Gäste mussten die beiden abklappern. „Das hat richtig Spaß gemacht“, lacht Bärbel Meyer. „Vor allem weiß man vorher nie, wie weit man kommt, denn natürlich muss man an jeder Tür einen Schnaps trinken“, berichtet die Hochzeitsinbitterin.
Die Tradition des Hochzeitsinbitters oder Hochzeitsbitters gibt es schon sehr lange. Doch im Landkreis ist sie mittlerweile selten geworden. Oft übernimmt der offizielle Einlader bei der Hochzeit auch noch die Rolle eines Unterhalters oder Organisators.
Ganz wichtig ist der Bitterstock. „Den stößt der ‚Mann‘ auf den Boden und sagt folgenden Spruch auf: ‚Hier setz’ ich meinen Stock und meinen Hut, den nehme ich ab. Wir kommen nicht, um etwas wollen zu haben, sondern um Euch zur Silberhochzeit von Martina und Heiko Joost am 30. Oktober in Cappel bei Riehls Garten einzuladen“, berichtet Jasna Joost, die Bärbel Meyer und Ulrike Haidinger als Fotografin begleitet und chauffiert hat. 160 Gäste werden zu der Feier erwartet. Wer sein Kommen zur Hochzeit zusagt, muss ein buntes Band um den Stock binden. „Manchmal ist es aber auch ein Packband oder nur eine Schnur“, sagt Jasna Joost. Den Stock erhält später das Hochzeitspaar.
Einen Chauffeur der besonderen Art hatten Bärbel Meyer und Ulrike Haidinger mit Walter Itjen. Verwunderte Blicke zog das Gespann aus Einachser und kleinem Anhänger, in dem das Pärchen saß, vor allem in Wanhöden auf sich. „Da haben alle gehupt“, erinnert sich Bärbel Meyer. „Manch andere haben aber auch nur ungläubig geschaut, weil die diese Tradition gar nicht kannten.“
Trinkfest müssen Hochzeitsbitter in jedem Fall sein. Denn bei einem Schnäpschen bleibt es selten. „Wie heißt es so schön: ‚auf einem Bein kann man schlecht stehen‘“, sagt Bärbel Meyer mit einem Augenzwinkern. Jedenfalls hat ihr das von Tür zu Tür ziehen, das Kennenlernen aller möglichen Leute und der Klönschnack richtig Spaß gemacht. Und sie weiß schon: „Ich würde so eine Hochzeitsbitterinnen-Tour jederzeit wieder machen.“

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