Nach fast 40 Jahren hat die Hatecke-Werft in Freiburg an der Elbe (Kreis Stade) wieder den Auftrag erhalten, ein original Helgoländer Börteboot zu bauen. Der letzte Neubau lief hier 1971 vom Stapel. Ein Hamburger Reeder mit Helgoländer Wurzeln ist von diesem einzigartigen Bootstyp so begeistert, dass an Hatecke kein Weg vorbei ging. Immerhin ist es der Betrieb, auf dem die meisten Börteboote seit den 30er-Jahren vom Stapel liefen – und seitdem erste Adresse auch für Wartung und Überholung.
Die Verbindung zwischen der Nordseeinsel und dem Marschendorf an der Elbe wurde in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts genüpft. Von 1935 an war Heinrich Hatecke mit den Helgoländer Fischern geschäftlich vertäut und lieferte ihnen ihre maßgefertigten, hochseetüchtigen Boote aus schwerer Eiche, die ihnen beim Ein- und Ausbooten der Dampferpassagiere selbst bei Schlechtwetter treue Dienste leisteten und beim Hummerfischen Sicherheit auf dem Meer gaben.
Hatecke erwarb sich schnell bei den Helgoländern als Spezialist einen guten Namen. Dort wurden insgesamt 40 Börteboote gebaut – und zwar von 1935 bis 1940 zunächst die Sechs-Meter-, dann die Zehn-Meter-Boote und wieder ab 1952, als die Helgoländer ihre Insel wieder bewohnen durften und auch Seebäderverkehr und die Fischerei anliefen.
Börteboote werden in Freiburg nur „die Helgoländer“ genannt. Der Neubau in der Bootshalle verlangt einiges ab. „Eine echte Herausforderung“, ist Rainer Hatecke voller Respekt für die handwerkliche Leistung seines Opas: „Es ist phänomenal, was der konnte. Er ist mein Vorbild.“
Der Bootsbauer in fünfter Generation hat es heutzutage nicht leicht, denn es gibt kaum Zeichnungen, geschweige denn eine genaue Börteboot-Bauanleitung. „Mein Opa hatte das im Blut gehabt, ich muss schon stark überlegen...“, lacht Hatecke, der das Geschäft 1995 von seinem Vater Jürgen übernommen hatte.
Da ist jede Menge bootsbauerisches Können gefragt, aber vor allem viel Gespür fürs Element Wasser und das sensible Baumaterial. Damals wie früher gilt: Alles ist zu 100 Prozent reine Handarbeit. Börteboote, bei alten Insulanern heißen sie übrigens „Rudder“. Sie sind Individualisten. In ihnen stecken nicht nur die Vorstellungen des Bootsbauers, sondern auch die des Auftraggebers, die in ihrer Korrespondenz mit der Freiburger Festlandswerft schon mal mit winzigen Kugelschreiberskizzen dem Fachmann ihre speziellen Wünsche mitteilten, wie der Blick in alte Auftragsbücher verrät.
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