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Burgfried Stölting ist auf Tournee


Langen. Demografie ist keine Geheimwissenschaft, sagt Burgfried Stölting. Der 1. Stadtrat von Langen liegt mit seiner Arbeit über den altersbedingten Wandel der Gesellschaft stets richtig. Jüngstes Beispiel ist die Tatsache, dass er den Rückgang der Bevölkerung im Landkreis auf 185 000 in den nächsten zehn Jahren präzise prognostiziert hatte. Und zwar schon vor zwei Jahren. Von Andreas Schoener


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Damals hatte der Demografiebeauftragte für das Regionalforum eine große Untersuchung über den demografischen Wandel im Unterweserraum angestellt. Darin ist unter anderem festgehalten, dass alle Kommunen im Landkreis den Höchststand ihrer Einwohnerentwicklung spätestens im Jahr 2005 erreicht haben werden und dann mehr oder weniger stark schrumpfen. Darauf hatte Stölting in seiner Ausarbeitung „Die kommunale Ebene im Landkreis Cuxhaven“ bereits im November 2008 hingewiesen und die wesentlichen örtlichen Entwicklungen (Alterung, Wanderungen, Geburtenrückgang) fundiert analysiert. Dass der eine oder andere, der im Landkreis politische Verantwortung trägt, derlei offensichtlich nicht so ernst genommen hat, erstaunt Stölting.

Doch der 57-Jährige arbeitet weiter, weil seine Dienste zunehmend stärker nachgefragt werden. Nicht nur in Nordenham, wo er seit Mitte 2009 im Rahmen einer Vereinbarung über interkommunale Zusammenarbeit ein demografisches Gutachten erstellt hat und derzeit beratend tätig ist, wenn es um die Umsetzung geht. „Wir arbeiten gemeinsam die Handlungsfelder ab“, sagt Stölting und erwähnt Kindergarteneinrichtungen ebenso wie Schulen und Fragen der Stadtentwicklung. „Weniger Kinder und Jugendliche, dafür umso mehr Ältere – das hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche eines Gemeinwesens“, betont der 1. Stadtrat. Das nächste Projekt wird eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis Wesermarsch sein. Auch hier geht es um demografische Untersuchungen und daraus resultierende Konsequenzen. „Nebenbei“ hielt und hält Burgfried Stölting Vorträge. Anfang März zum Beispiel sprach er in Cadenberge auf Einladung des CDU-Samtgemeindeverbandes Am Dobrock über demografischen Wandel, er hat im Rat der Stadt Elsfleth berichtet und in der Gemeinde Berne (Landkreis Wesermarsch) bei der dortigen SPD. „Drei Vorträge binnen drei Wochen“, sagt Stölting nicht ohne Stolz und verweist darauf, dass die Notwendigkeit, über Demografie zu reden und dann zu handeln, „wohl zunehmend erkannt wird“. Auch in Hagen. Hier referiert Stölting im April im Samtgemeinde-Ausschuss. Zudem unterhält der 1. Stadtrat Kontakte zur Handwerkskammer Bremerhaven. „Demografie hängt eng mit Fachkräftemangel zusammen“, sagt er.

„Ohne zusätzliches Personal“

Dass sein Engagement als Demografiebeauftragter die Stadt Langen nichts zusätzlich gekostet hat, darauf legen Stölting und Bürgermeister Thorsten Krüger gesteigerten Wert. „Alles, was an Arbeit erledigt werden musste, haben wir im Hause ohne zusätzliches Personal geleistet“, sagt der Verwaltungschef und betont, wie sehr interkommunale Zusammenarbeit doch auf Landesebene gefragt sei: „Als vorausschauende Kommune praktizieren wir dieses Prinzip schon lange.“ Dass durch Stöltings Engagement Einnahmen erzielt werden, die zur Schuldensenkung gleich in den Haushalt fließen, darauf macht Krüger auch aufmerksam: Stöltings Einsatz als Demografie-Beauftragter könne der Stadt bis Jahresende insgesamt mehr als 80 000 Euro bringen. Krüger: „Wenn man sich überlegt, was der Stadt von Politikern oder vom Steuerzahlerbund vorgeworfen wurde und man heute sieht, wie dieses Thema bei uns nachfragt wird…“

Mittlerweile hat sich der gute Ruf Stöltings über die Landesgrenze hinaus verbreitet. So arbeitet der 57-Jährige auch als Gutachter in der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement in Köln (KGSt) mit: „Wir entwickeln einen Katalog, der demografische Prozesse bundesweit misst und vergleicht.“ Stölting ist gefragt.

Stärkung ist das Ziel

Mehr als 1650 Kommunalverwaltungen und Träger öffentlicher Aufgaben arbeiten in der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) zusammen. Ein Ziel der Arbeit besteht darin, die Selbstverwaltungskraft der Kommunen zu stärken.

Artikel vom 20.03.10 - 06:00 Uhr
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