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A 20 spaltet Hof in zwei Teile


Wollingst. Kühe gehören auf die Weide, findet Peter Schmidt. Jeden Morgen treibt der Milchbauer aus Wollingst seine Tiere hinaus ins Grüne. Noch. Wenn die Küstenautobahn kommt, ist das vorbei. Die Asphaltpiste führt direkt an seinem Hof vorbei, zwei Drittel seiner Weiden werden hinter der Mauer, die die Autobahn darstellt, verschwinden. „Das“, fürchtet Schmidt, „ist das Aus für meinen Betrieb.“ Von Inga Hansen


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Düsterer Blick in die Zukunft : Wenn die Küstenautobahn kommt, muss Milchbauer Harro Warnke aus Wollingst damit klarkommen, dass sein 80-Hektar-Betrieb in zwei Teile geteilt wird. Montage Killmer

Harro Warnke steht an seinem Maisfeld und schüttelt den Kopf. „Das passt alles einfach nicht“, sagt der Landwirt. 400 Meter weiter rechts liegt sein Betrieb, 600 Meter weiter links seine zweite Hofstelle, die der Vater vor Jahren hinzugekauft hat. Und mittendrin kreuzt die Autobahn. Sie schneidet die Hofstelle mit 20 Hektar Land und Ställen komplett vom Hauptbetrieb ab. „Dort hab‘ ich mein Jungvieh untergebracht, da muss ich zwei Mal täglich hin“, sagt der 48-Jährige. Und muss dafür künftig einen Umweg von acht Kilometern in Kauf nehmen. „Wir müssten über Frelsdorf zu unseren Tieren und unseren Flächen fahren“, klagt Warnke.

Der Milchbauer ist nicht grundsätzlich gegen die Autobahn. Aber die Trasse, sie macht ihm zu schaffen. Er gehört zu denen, die auf Wachstum setzen, er baut gerade einen neuen Stall, um eines Tages doppelt so viele Kühe melken zu können. Das Sperrfeuer durch die Straßenplaner kann er da nicht gebrauchen.

Seinem Nachbarn Peter Schmidt geht es ähnlich. Ans Aufhören denkt der 40-Jährige nicht wirklich. Im Gegenteil: Auch er will am Stall anbauen, möchte seine Kuhherde verdoppeln. „Ich bin mit Leib und Seele Landwirt“, sagt er, „ich kann mir gar nichts anderes vorstellen.“

1400 Hektar gehen verloren

Zwei Beispiele, die nach Ansicht des Landvolkverbandes deutlich machen, wer massiv unter der Autobahn leidet – die Bauern. 1400 Hektar landwirtschaftliche Fläche wird die Küstenautobahn wegfressen, allein im Cuxland sind fast 60 Betriebe von der Autobahnplanung betroffen, ein Zehntel davon ist in ihrer Existenz bedroht. Und der Flächenschwund, so Landvolk-Vorsitzender Jan Heusmann, sei ohnehin das größte Problem. Auch ohne A 20 verliert das Elbe-Weser-Dreieck jedes Jahr an die 1200 Hektar Äcker und Weiden. In Dörfern wie Wollingst, Frelsdorf und Appeln, dort, wo die Küstenautobahn ihre Schneise schlägt, macht sich der Landmangel besonders bemerkbar. Denn sie sind noch stark landwirtschaftlich geprägt, zählen zusammen über 50 Vollerwerbsbetriebe.

Ein paar Kilometer weiter, auf Gut Dohren bei Heerstedt, blickt sich Frauke Hüchting auf ihrem idyllisch gelegenen Hof um und seufzt. Kaum 100 Meter entfernt soll einmal ein Verkehrsknotenpunkt entstehen, die Auf- und Abfahrt von der Küstenautobahn zur Bundesstraße 71. „Für meine Landwirtschaft“, sagt Hüchting, „ist das eine Katastrophe.“ Fast ein Drittel ihrer Fläche fällt dem Autobahnbau zum Opfer, die Schnapsbrennerei, von der sie unter anderem lebt, müsste sie aufgeben. „Laut Schankrecht muss ich das Getreide dafür auf eigenen Flächen anbauen, und die fehlen mir dann“, sagt sie.

Ihre Eltern sind schon einmal durch den Autobahnbau vertrieben worden, 1974 in Bremen-Brinkum. Jetzt droht der Besitzerin von Dohren das gleiche Schicksal. Aber sie gibt sich kämpferisch: „Weg gehe ich hier nicht.“ Das will keiner der betroffenen Landwirte. Beim Landvolk setzt man auf eine Flurbereinigung, um den Bauern zu helfen. Milchbauer Peter Schmidt zuckt die Achseln. Seine 40 Hektar liegen alle rund um seinen Hof: „Mir nützt eine Flurbereinigung gar nichts.“

Küstenautobahn

Seit Juni steht die Trasse der geplanten Küstenautobahn fest. Sie führt mitten durch das Cuxland. In einer Serie schaut die NORDSEE-ZEITUNG derzeit, welche Auswirkungen das vor Ort hat. Am nächsten Donnerstag lesen Sie, was Verwaltung und Politik in den betroffenen Kommunen Loxstedt und Beverstedt von der Autobahn halten.

Artikel vom 04.09.10 - 16:00 Uhr
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