
Harro Warnke steht an seinem Maisfeld und schüttelt den Kopf. „Das passt alles einfach nicht“, sagt der Landwirt. 400 Meter weiter rechts liegt sein Betrieb, 600 Meter weiter links seine zweite Hofstelle, die der Vater vor Jahren hinzugekauft hat. Und mittendrin kreuzt die Autobahn. Sie schneidet die Hofstelle mit 20 Hektar Land und Ställen komplett vom Hauptbetrieb ab. „Dort hab‘ ich mein Jungvieh untergebracht, da muss ich zwei Mal täglich hin“, sagt der 48-Jährige. Und muss dafür künftig einen Umweg von acht Kilometern in Kauf nehmen. „Wir müssten über Frelsdorf zu unseren Tieren und unseren Flächen fahren“, klagt Warnke.
Der Milchbauer ist nicht grundsätzlich gegen die Autobahn. Aber die Trasse, sie macht ihm zu schaffen. Er gehört zu denen, die auf Wachstum setzen, er baut gerade einen neuen Stall, um eines Tages doppelt so viele Kühe melken zu können. Das Sperrfeuer durch die Straßenplaner kann er da nicht gebrauchen.
Seinem Nachbarn Peter Schmidt geht es ähnlich. Ans Aufhören denkt der 40-Jährige nicht wirklich. Im Gegenteil: Auch er will am Stall anbauen, möchte seine Kuhherde verdoppeln. „Ich bin mit Leib und Seele Landwirt“, sagt er, „ich kann mir gar nichts anderes vorstellen.“
Ein paar Kilometer weiter, auf Gut Dohren bei Heerstedt, blickt sich Frauke Hüchting auf ihrem idyllisch gelegenen Hof um und seufzt. Kaum 100 Meter entfernt soll einmal ein Verkehrsknotenpunkt entstehen, die Auf- und Abfahrt von der Küstenautobahn zur Bundesstraße 71. „Für meine Landwirtschaft“, sagt Hüchting, „ist das eine Katastrophe.“ Fast ein Drittel ihrer Fläche fällt dem Autobahnbau zum Opfer, die Schnapsbrennerei, von der sie unter anderem lebt, müsste sie aufgeben. „Laut Schankrecht muss ich das Getreide dafür auf eigenen Flächen anbauen, und die fehlen mir dann“, sagt sie.
Ihre Eltern sind schon einmal durch den Autobahnbau vertrieben worden, 1974 in Bremen-Brinkum. Jetzt droht der Besitzerin von Dohren das gleiche Schicksal. Aber sie gibt sich kämpferisch: „Weg gehe ich hier nicht.“ Das will keiner der betroffenen Landwirte. Beim Landvolk setzt man auf eine Flurbereinigung, um den Bauern zu helfen. Milchbauer Peter Schmidt zuckt die Achseln. Seine 40 Hektar liegen alle rund um seinen Hof: „Mir nützt eine Flurbereinigung gar nichts.“

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