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Zu viele traurige Rekorde

Bremerhaven. Es sind Rekorde mit fadem Beigeschmack: Mit 109, 112 und sogar 144 km/h sind Raser in den vergangenen Wochen durch Bremerhaven gefahren. Dabei handelt es sich um kein neues Phänomen. Doch erst, seit die Polizei Anfang April begonnen hat, einen stärkeren Fokus auf Geschwindigkeitsmessungen zu legen, wird das Ausmaß der Überschreitungen deutlich. Von Marcel Ruge und Dominic Rahe

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Erst im Juli ist eine junge Beifahrerin gestorben , weil das Auto laut Zeugen mit 100 km/h von der Stresemannstraße abgekommen sein soll. Foto ls

„Das sind Werte, die in einem astronomisch hohen Bereich liegen, ich kann mich nicht erinnern, jemals mit Blaulicht so schnell durch die Stadt gefahren zu sein“, sagt Polizeihauptkommissar Werner Stox. Solche Extremwerte stelle man verstärkt fest, weil jetzt auch auf Hauptverkehrsstraßen und nicht – wie zuvor – überwiegend in Wohngebieten gemessen wird. Es sind aber nicht nur die Ausreißer, die den Polizisten Sorgen machen. „Wir haben manchmal fast neun Prozent Trefferquote“, sagt Stox. Das heißt: Jeder zehnte Autofahrer ist zu schnell.

4207 Unfälle im Vorjahr

Das Problem ist nicht neu und auch nicht auf Bremerhaven beschränkt. Aber in der Stadt gebe es nach Einschätzung der Polizei zu viele Unfälle mit Verletzten. Im vergangenen Jahr waren es 645 Verletzte bei 4207 Unfällen – Hauptursache: zu hohes Tempo.

Die Polizei hat sich für dieses Problem einen Fünfjahresplan auferlegt. Darin ist das Ziel festgeschrieben, die Zahl der Unfälle auf unter 4000 zu drücken. „Bisher haben wir immer nur Jahresaktionen gemacht, haben in diesem Zeitraum viel kontrolliert und hatten dann wieder ein anderes Thema“, sagt Polizei-Sprecher Wolfgang Harlos. Das hätte kurze Zeit seine Wirkung gezeigt, „und dann merken wir wieder, dass die Unfallzahlen steigen.“

Die aktuellen Messungen folgen einem bestimmten Muster. „Wir haben eine Brennpunkt-Analyse gemacht, darauf basieren die Kontrollen“, sagt Jörn Müller, Leiter des Führungsstabes. Bei den Brennpunkten handelt es sich um Straßen und Zeiten, bei denen die Polizei in der Vergangenheit viele Unfälle festgestellt hat. Im Fokus stehen insbesondere Fahrer bis 25 Jahre, die zwei Drittel der Unfälle verursachen.

Mit den gestreuten Kontrollen will die Polizei das Thema stärker ins Bewusstsein der Fahrer rücken. „Wir versuchen, einen Schleier über Bremerhaven zu legen, damit sich keiner sicher sein kann, dass wir nicht kontrollieren“, sagt Müller. Stationäre Blitzer und häufige Kontrollen auf denselben Strecken hätten zwar eine gewisse Wirkung: „Die Strahlkraft endet aber 500 Meter vor und hinter dem Blitzer.“

Ob die Stadt dem Problem durch mehr fest installierte Blitzer Herr werden kann? Die SPD bezweifelt das. Die beiden Blitzer in der Stadt sind aus Sicht des SPD-Fraktionsvorsitzenden Sönke Allers ausreichend. „Das ist passend für das Stadtgebiet.“ CDU-Fraktionsvorsitzender Paul Bödeker beklagt den Rückgang der Moral im Straßenverkehr. Seine Partei wolle ein neues Verkehrskonzept erarbeiten, bei dem die Bürger mit eingebunden werden sollen. Bei den Grünen wolle man zunächst das Gespräch mit der Polizei suchen und dann gegebenenfalls reagieren, sagte Grünen-Sprecher Ralf Holz.

Belastendes Gutachten

Derweil gibt es Neuigkeiten zum Verkehrsunfall auf der Stresemannstraße, bei dem Ende Juni eine 23-jährige Beifahrerin gestorben war. Nach Untersuchungen des Unfallwagens hält es der berufene Gutachter für nahezu ausgeschlossen, dass der 23-Jährige, der den Unfall verletzt überlebte, wirklich auf der Rückbank des Zweitürers saß. Die Staatsanwaltschaft hat Grund zur Annahme, dass er es war, der am Steuer saß.

Zum einen, weil der Fahrersitz nach dem Unfall nicht mehr verstellbar war – der Mann hätte die Rückbank auf diesem Wege also kaum verlassen können. Zum anderen, weil seine Verletzungen nicht zu den Verformungen des Autos passen. Das Heck sowie der hintere Teil des Innenraums waren komplett eingedrückt worden. Experten vermuten, dass eine Person auf der Rückbank den Unfall kaum überlebt haben kann. Der 23-Jährige hatte angegeben, dass eine Zufallsbekanntschaft den Wagen gesteuert hatte und danach geflüchtet sei. Das Experten-Gutachten ist nun dem Anwalt des Mannes zur Einsicht vorgelegt worden.

Der Strafenkatalog

Für Geschwindigkeitsüberschreitungen in geschlossenen Ortschaften:

11 bis 15 km/h: 25 Euro

16 bis 20 km/h: 35 Euro

21 bis 25 km/h: 80 Euro, 1 Punkt

26 bis 30 km/h: 100 Euro, 3 Punkte

31 bis 40 km/h: 160 Euro, 3 Punkte, ein Monat Fahrverbot

41 bis 50 km/h: 200 Euro, 4 Punkte und ein Monat Fahrverbot

Der Höchstsatz bei einer Überschreitung von 70 km/h beträgt 680 Euro, 4 Punkte und drei Monate Fahrverbot.

Artikel vom 11.08.12 - 16:00 Uhr
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