Ton ab, Kamera läuft – und bitte: Wohlfahrt kennt das Prozedere bei Fernseh-Dreharbeiten inzwischen. Mehr als 100 Komparsen-Auftritte hat er in den vergangenen sechs Jahren abgespult. „Anfangs war ich nervös. Mittlerweile läuft es. Vor der Kamera stehen, das fühlt sich an, wie nach Hause kommen.“
Die Fernsehwelt, „das ist eine Welt für sich“. Alles eine Spur unkomplizierter als im Alltag, alles etwas entspannter. „Diese Atmosphäre an den Film-Sets“, so Wohlfahrt, „die fasziniert mich einfach.“
Bis vor sechs Jahren verdiente er sein Geld noch als kaufmännischer Angestellter. Dann erkrankte Wohlfahrt an Morbus Crohn, einer Darmerkrankung. Die Arbeit wurde zur Belastung, Wohlfahrt musste seinen Job aufgeben. Seitdem kassiert er Erwerbsminderungsrente.
Um die etwas aufzubessern, war er erst als Testkäufer für eine Supermarktkette unterwegs. Über Umwege landete der ehemalige Tänzer der TSG Bremerhaven, von 1983 bis 1987 Weltmeister mit der Formation, dann im Karteikasten einer Komparsen-Agentur. Dem ersten Auftritt, als er als Krankenhaus-Patient seinen Rolllator durchs Bild bei „Der letzte Bulle“ schob, folgten weitere. Was eigentlich eine einmalige Erfahrung sein sollte, begann Spaß zu machen.
Pro Auftritt verdient Wohlfahrt zwischen 50 und 150 Euro. „Reich wird man damit nicht.“ Selbst für eine Komparsen-Rolle bei einem Kinofilm gibt es nicht viel mehr. In „Die Schwarzen Brüder“, einem angehenden Kino-Film mit Moritz Bleibtreu, legt Wohlfahrt einen Kurzauftritt als Gewürzverkäufer hin. „Nur weil der Streifen im Kino läuft, verdient man nicht automatisch mehr als im ‚Tatort‘.“
Bei der Krimireihe weiß Wohlfahrt, wovon er spricht. In der Dortmunder Ausgabe spielte er schon einen Besucher einer Schwulenbar, in Köln huschte er mal bedeutungslos über die Rheinpromenade und in Münster war er bereits als Polizist sowie als Spurensicherer im Einsatz.
Sprechen musste er selten – wenn, dann waren es kurze Sätze. „Trotzdem: Es hat immer Spaß gemacht, in diese Rollen zu schlüpfen“, sagt der 47-Jährige, der inzwischen mit seiner Frau in Neuss lebt. Ein Teil seiner Familie, auch seine Mutter, lebt dagegen noch in Bremerhaven.
Obwohl der TV-Komparse kaum eine Serie auslässt, seine Prinzipien hat er dennoch. „In diesen Vormittags-Sendungen würde ich nicht mitspielen wollen.“ Wohlfahrt bevorzugt eher das Abendprogramm.
