X Diesen Artikel versenden


Absender-E-Mail*
Empfänger-E-Mail*
Nachricht*

szmtag

Wo der Schweiß von der Decke tropfte


Bremerhaven. Rock, Soul und Funk veränderten in den 70er Jahren auch traditionelle Jazzclubs wie das „Chico‘s Place“ in der Rickmersstraße. Das neue Publikum setzte sich vorwiegend aus Afro-Amerikanern aus der US-Kaserne in Weddewarden und jungen Bremerhavenern zusammen. Gleich daneben etablierte sich zur selben Zeit die „Oase“ als kleiner, aber feiner Soul-Schuppen. Von Rainer Donsbach


bild vergrößern
Erlesene Drinks, feine Kleidung: So empfing Asuquo Eyo noch Anfang der 70er Jahre seine Gäste im Chico‘s Place“ in der Rickmersstraße. Als der Jazzclub kurz darauf zur Disco wurde, lockerte sich die Kleiderordnung.

Asuquo Eyo, den alle nur Chico nannten, war über die neuen Zeiten ein wenig schwermütig geworden. Früher hatte der gebürtige Nigerianer in dem Klub noch den wie aus dem Ei gepellten Empfangschef und aufmerksamen Gastgeber gespielt. Er stand hinter der Bar und wirbelte bei ausgedehnten Jam-Sessions der Jazzmusiker an den Trommeln oder am Schlagzeug.

Weißgestärkte Decken und frische Nelkensträuße auf den Tischen, Clubsessel mit Kunstlederbezügen, an der Wand die abenteuerlichsten Bartapeten im Zeitgeschmack der frühen 60er Jahre. Solch einen Klub hätte man auch in New York oder Chicago finden können.

Doch im Laufe der 70er Jahre waren die weißen Decken verschwunden und „die Gäste saßen auf dem Tisch“, bedauerte Chico. Mit dem herkömmlichen Jazz konnten die jungen Leute nicht mehr viel anfangen. Sie wollten Musik, zu der man bedingungslos tanzen kann, und das hieß zu jener Zeit vor allem Soul und Funk. Auch mit den Livebands war Schluss, denn die neuen Klänge kamen ausschließlich vom Plattenteller. „Die jungen Leute wollen in Ruhe gelassen werden und ihren Spaß fürs Geld“, bedauerte Chico den Verlust der Umgangsformen, so wie er sie schätzte.

Bei den Bremerhavener Szenegängern dagegen galt das „Chico‘s“ als erste Adresse, wenn man mal so richtig abtanzen wollte, und an den Wochenenden tropfte dort buchstäblich das Kondenswasser von der Decke. Eine Alternative dazu war die „Oase“ in der Körnerstraße, wo die neuesten Hits aus den USA schon auf dem Plattenteller lagen, noch ehe sie in die deutschen Geschäfte kamen.

Als Natalie Dieah das zuletzt zu einem übel beleumundeten Krawall-Laden heruntergekommene „Chico’s Place“ 1992 im alten Stil wiedereröffnete, erlebten die goldenen Zeiten eine kurze Renaissance. Doch da hatte schon der Siegeszug der Großraumdiscos begonnen. Nach Chicos Tod machte Natalie dicht und widmete sich wieder ihrer Karriere als Jazzsängerin.

bild vergrößern
Natalie Dieah (links) und ihre Schwester Lauren mit Chico bei der Wiedereröffnung 1992. Fotos Archiv
Artikel vom 14.01.10 - 06:00 Uhr
| drucken | versenden


Unsere Heimat von oben

Die große Familienserie der NORDSEE-ZEITUNG widmet sich seit dem 2. März 2012 dem Thema „Familienfreundlichkeit“ im Landkreis Cuxhaven. Für jeden Ort und jede Gemeinde erscheinen zur Veröffentlichung aktuelle Luftbilder. Diese Luftbilder können Sie nun auf hochwertigem Fotopapier in unseren Kunden-Centern bestellen. Hier erfahren Sie mehr.

Bad Bederkesa entdecken

Tauchen Sie ein in die neue Panorama-Erlebniswelt.

www.badbederkesa-entdecken.de

Lehe, die Altstadt der Seestadt

nordholzdorumlangenbad bederkesaschiffdorfbremerhavenloxstedthagenbeverstedt

Kinoprogramm

Veranstaltungen

ePaper

Lesen Sie hier die aktuelle Seite 1

Zeitung

Abo Service
Abonnement
Änderungen

ePaper

Login
Abonnement

Neue Kommentare

  1. Zirkustiere und Legehennen als Streitthema
    25.05. | 2 Kommentare
  2. Kein Tag für Tunnelgegner
    25.05. | 1 Kommentar
  3. Lohmannstraße wird saniert
    24.05. | 5 Kommentare
  4. Energie für die Stromwende
    24.05. | 3 Kommentare
  5. BIS managt den Tunnelbau
    24.05. | 1 Kommentar

Tickets

Ticketshop
Sie suchen Karten für Konzerte, Musicals oder Sportevents?
Dann kommen Sie in unseren Ticketshop.

mehr
Anzeige

NZ-Nachrichten auf Ihrer Webseite

Individuelle Nachrichtenauswahl - immer aktuell

Wir unterstützen Sie dabei gezielt diejenigen Nachrichten, die für Ihren Internetauftritt interessant sind, ohne viel Aufwand zu integrieren. Dafür haben wir ein Modul entwickelt, das Sie ganz leicht mit wenigen Klicks selbst an Ihre Anforderungen anpassen können.

mehr

Kapstadt calling