Die Bremerhavener Interessengemeinschaft ließ den Parteien CDU, SPD, Grüne und FDP sowie den Bürgerschaftskandidaten gemeinsam mit der Bahnlärm-Initiative Bremen einen Fragebogen zukommen. Auch die Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung bekamen Post.
„Wir haben eine hohe Zustimmung bekommen“, sagen Dr. Angelina Sörgel von der Bahnlärm-Initiative Bremen und der Bremerhavener Sprecher Helmut Hübenthal. „Differenzen gab es dort, wo es ums Konkrete ging.“ Zum Beispiel unterstützten alle Parteien, Güterwagen umzurüsten, um den Lärm an der Quelle zu bekämpfen. Wenn es allerdings um Subventionen zur Umrüstung gehe, sei die FDP dagegen. Bei der Frage nach mehr Rechtsansprüchen der Bürger sei die CDU vorsichtiger, so Sörgel weiter.
„Unsere bisherige Arbeit hat sich gelohnt, dennoch werden wir nicht lockerlassen“, sagt Töpfer. Ein Erfolg der sieben Bremerhavener Einzel-Initiativen, die sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, seien zum Beispiel die zwei zusätzlichen Lärmschutzwände für die Bürgerpark-Siedlung und den Schierholzweg. Diese sollten 2013 entstehen. Positiv sei zudem, dass die Eisenbahnbrücke über die Cherbourger Straße bis 2015 grundsaniert werden solle.
„Die Wände müssen nach den neuesten Erkenntnissen gebaut werden“, fordert Hübenthal. „Wir sind sehr glücklich über die neue Wand, trotzdem wollen wir uns weiterhin für einen lückenlosen Lärmschutz einsetzen“, sagt Daniel Müller, der die Anwohner am Schierholzweg vertritt.
Laut Töpfer gibt es in Bremerhaven eine ganze Reihe an Beispielen für „dubiosen Lärmschutz“. Bei der Brücke über die Spadener Straße gebe es nur auf einer Seite eine Lärmschutzwand. „Was soll das?“, fragt er. „Solche Absurditäten werden durch die gegenwärtige Rechtslage gefördert“, sagt Sörgel. „Daher setzen wir uns auch für die Stärkung von Bürgerrechten ein.“
Wenn es um den Lärmschutz gehe, müssten auch die Kosten zweitrangig sein, fordert Manfred Lietzau, stellvertretender Vorsitzender der Interessengemeinschaft. Marlies Marken, die das Gebiet Daimlerstraße vertritt, wünscht sich eine Reform des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Danach bekommt nur Lärmschutz, wer in einem Gebiet wohnt, für das ein Bebauungsplan aus der Zeit vor 1974 gilt. Oder wer in einem Gebäude lebt, das vor dem Jahr 1974 errichtet wurde. „Dabei ist es nicht von Bedeutung, wann welcher Bebauungsplan in Kraft getreten ist“, so Marken. Schließlich schade der Lärm der Gesundheit aller Menschen gleichermaßen. Daher müsse sich die Initiative auch bemühen, mit Funktionsträgern in Berlin Kontakt zu suchen.
Darüber hinaus fordert Marken, dass im nächsten Jahr ein Lärmkataster für die Seestadt erstellt werde, das auch Bahnlärm einbeziehe. Statt unsinniger Lärmberechnungen müsse real gemessen werden. „Bei uns gibt es zum Teil Werte, die mit dem Start eines Düsenjägers vergleichbar sind“, sagt sie. „Das ist keine Belastung, die man aushalten kann.“
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