
„Die Kostensteigerung ist in jedem Fall ein Problem“, stellt Hans-Peter Bartels (SPD) fest. Der gesamte Vorgang sei nicht nur umständlich, sondern auch erklärungsbedürftig. „Aber war er auch eilbedürftig?“ Angesichts der hohen Kostensteigerung stellt sich ihm die Frage, ob die Reparatur nicht neu hätte ausgeschrieben werden müssen. Ingo Gädechens (CDU) wiederum ärgert sich, dass „absolute Fachleute“ das Schiff bereits vor zwei Jahren nach einer Großinstandsetzung begutachtet hatten – auch damals war das Schiff in Elsfleth. „Ich hoffe sehr, dass die Werft alles richtig gemacht hat.“
Aus seiner Sicht müssten in jedem Fall Regressansprüche geprüft werden – das Bundeswehrbeschaffungsamt könnte sie gegen die Werft geltend machen. „In Elsfleth würde man sich dagegen natürlich wehren, und schlimmstenfalls gäbe es dann eine juristische Auseinandersetzung“, sagt Gädechens. Auch Bartels spricht davon, dass das Verteidigungsministerium genau prüfen muss, ob Elsfleth vor zwei Jahren schlecht gearbeitet hat. „Wie sonst kann es sein, dass solche Schäden so schnell wieder auftreten?“
Besonders harsche Vorwürfe kommen vom Bund der Steuerzahler in Schleswig-Holstein. „Entweder hat man vor zwei Jahren nicht genau hingeschaut oder man wollte nicht. Beides ist schlimm“, sagt Geschäftsführer Reiner Kersten. Das Schiff sei „offenbar marode“ auf seine Reise um Kap Hoorn geschickt worden. „Ich glaube, dass man schon 2009 auf große Schäden gestoßen ist, die Reparaturen aber zurückgestellt hat, um die Weltumseglung nicht zu gefährden.“ Ob Kersten damit meine, dass damit bewusst Menschenleben gefährdet wurden? „Das ist der Vorwurf, den die Marine bislang nicht widerlegen kann.“
Ein Marinesprecher weist dies als absurd zurück und spricht von Rufschädigung. „Wir haben davon ganz gewiss nichts gewusst. Der Bund der Steuerzahler äußert reine Vermutungen, wir aber arbeiten mit Fakten.“ Klaus Wiechmann, Vorstand der Elsflether Werft, reagiert verärgert. „Natürlich finde ich solche Vorwürfe nicht witzig. Wir prüfen, ob wir juristisch dagegen vorgehen.“
Die „Gorch Fock“ soll noch mindestens bis August im Fischereihafen bleiben. Die Marine geht davon aus, das Schiff im Herbst zurückzuerhalten. Die Ausbildung an Bord beginnt erst wieder 2013.

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