„Timothy ist immer so lieb zu seinem kleinen Bruder“, sagt seine Mutter Christine Japp. „Mit 17 Jahren ist er mit dem Kleinen auf den Spielplatz gegangen. Ob die anderen das uncool fanden, war ihm egal.“ Maik (5) kann vorerst nicht mehr mit seinem großen Bruder auf den Spielplatz gehen. Momentan hofft er genau wie seine Familie darauf, dass eine geeignete Spenderlunge für Timothy gefunden wird und er wieder zurück nach Hause kehren kann.
Alles begann im Oktober. Timothy steckte mitten in seiner Ausbildung zum Tiefbaufacharbeiter Kanalbau. „Er machte das sehr gewissenhaft und ernsthaft“, sagt seine Mutter. Schon seit einem Jahr war er oft krank gewesen. Als er nun über starke Rückenschmerzen klagte, mochte er nicht zum Arzt gehen, weil er die Ausbildung nicht vernachlässigen wollte.
Anfang November ging er schließlich doch. Eine besonders schwere, verschleppte Lungenentzündung wurde diagnostiziert. Der Arzt schrieb Timothy krank und riet ihm, ins Krankenhaus zu gehen. Aber Timothy wollte nicht. Auch zwei Tage später nicht, als er Blut hustete. Als er seine Freundin besuchte, schlief er plötzlich ein. Er bekam Schüttelfrost und sie brachte ihn ins St. Joseph-Hospital. Timothy hatte über 40 Grad Fieber und kam sofort auf die Intensivstation.
Kurz darauf musste er künstlich beatmet werden. Zwei Tage später wurde er in eine Bremer Klinik verlegt. „Der Auslöser für die Lungenentzündung konnte nicht gefunden werden“, erzählt Japp. Dann fiel Timothys Lunge zusammen. Als Nächstes wurde er nach Göttingen verlegt und dort an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen.
Gut zwei Wochen später war klar, dass Timothy eine neue Lunge braucht: „Das Lungengewebe ist unbrauchbar geworden. Nur noch zwei Prozent seiner Lunge funktionieren“, sagt seine Mutter. In dem meisten Krankenhäusern gibt es lange Wartelisten für Transplantationen. Die einzige Klinik, die ihn aufnehmen konnte, war die Universitätsklinik in Leipzig, mehr als 400 Kilometer von zuhause und der Familie entfernt. Am 15. Dezember wurde Timothy dorthin gebracht.
Christine Japp war seitdem dreimal auf eigene Kosten oder mit der Unterstützung von Freunden und Familie bei ihrem Sohn. Seine Freundin und Freunde kommen mit, wenn’s geht. Hin und wieder ist Timothy wach. „Es ist schwierig für uns, auch finanziell. Ich bin erwerbslos, mein Mann ist Ein-Euro-Jobber. Gott sei Dank sind meine beiden Söhne Dirk und Manuel in Job und Ausbildung.“ Die Krankenkasse übernimmt die Hotelkosten. Die Fahrtkosten sollte die Arge bezahlen. Doch dort muss der Antrag noch bearbeitet werden.
Gestern fuhr Christine Japp nach Leipzig. Die Fahrkarte schenkte ihr Sohn, der 22-jährige Dirk, ihr zu Weihnachten. Als Christine Japp erfährt, dass sie dank „Hilfe für Mitbürger“ drei Freifahrten nach Leipzig bekommt, hat sie Tränen in den Augen. „Das ist fantastisch. Vielen Dank.“ Ihre Hoffnung: eine passende Lunge für Timothy, eine Operation ohne Komplikationen und, dass sein Körper die Lunge annimmt. Christine Japp glaubt fest daran: „Solange noch Hoffnung besteht, geben wir nicht auf.“
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