
Von den Weltreisen mit seiner „Ente“, den Abenteuern in Asien und dem südamerikanischen Dschungel hatte wohl jeder in Bremerhaven schon gehört. Nun konnten sich die Leute auch selbst einen Eindruck von Müllers Entertainer-Qualitäten machen. Von der Bühne in dem Klub in der Grazer Straße behielt er seine Gäste, „die Jugend der 50er und 60er Jahre“, genau im Auge. Die ausgestreckte Hand nach oben und eine Geste wie ein Gewehrschuss in Richtung Bar bedeutete: fünf Jägermeister für den Tisch da hinten. „Von dem, was ich ausgegeben habe, haben andere gelebt“, sagt er. „Großzügig waren wir, ganz gewiss.“ Und wenn er mitbekam, dass ein Gast sich nach zwei Stunden endlich ein Herz gefasst und eine von ihm Angehimmelte zum Tanz aufgefordert hatte, dann spielte er halt noch ein paar Lieder weiter, auch wenn die Band schon längst eine Pause verdient hatte.
„Von einem Moment auf den anderen konnte Manni auf Situationen reagieren“, erinnert sich George B. Miller, der in dieser Zeit auch in der MM Combo Schlagzeug gespielt hatte. „Sah er Leute aus Lateinamerika reinkommen, schwenkte er mitten im Lied um und spielte einen Song aus deren Heimat.“ Manche Gäste hatten sogar eine Erkennungsmelodie, die sofort erklang, wenn sie das „Sanssouci“ betraten. „Ich hab das intuitiv gemacht“, sagt Manni Müller, der gerade 70 geworden ist. Und die Leute liebten ihn dafür.
Im alten „Sanssouci“, bevor es zu einer Filiale des „Wienerwalds“ wurde, hatte schon einmal „Unterhaltung und Tanz“ über der Eingangstür gestanden. Betreiber damals war Ernst Luka, der Vater des späteren Kneipen-Großmeisters Klaus Luka. Im Jahr 1964, als Manni Müller gerade zu seiner Welttour aufgebrochen war, hatte George B. Miller dort bereits mit seiner ersten Band, den Soulbeats, auf der Bühne gestanden. „Fünf Meter davor saß ein stadtbekannter Schläger“, erinnert er sich, „und die Leute hingen ihm an den Lippen, als er lautstark von seinem ersten Tripper erzählte.“ Niemand hörte der Band zu, keiner klatschte. Den Auftritt abzubrechen, war trotzdem nicht drin. „Dann hätten wir wahrscheinlich Prügel bekommen.“
Doch Luka fand eine elegante Lösung: Er schickte die Jungs in seine zweite Bar in der Georg-Seebeck-Straße, das „Femina“, und ließ sie dort weiterspielen. Im „Petroleumviertel“ wurden die Drinks von den Arbeitern aus dem Fischereihafen zwar schon mal mit Heringen bezahlt, doch die hörten wenigstens zu. Beide Kneipen existieren heute nicht mehr.

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