Christina Klug hat über alle Kanäle gefunkt. Zeitungsanzeigen, Stellenausschreibungen, selbst über Facebook war sie auf Suche nach Azubis. Allerdings nicht mit dem gewünschten Erfolg. „Es ist schwieriger geworden, gutes Personal zu finden“, sagt die Mitarbeiterin der Bäckerei Engelbrecht.
Obwohl das Unternehmen bei den Schulnoten der Bewerber schon Abstriche machen würde, fehlen auch nach Ausbildungsbeginn noch ein Bäcker und eine Verkaufskraft. „Es war einfach nichts Passendes dabei“, sagt Klug. Sie erzählt von Praktikanten, die trotz Zusage nicht erschienen sind, und Bewerbern, die außer dem Firmennamen kaum etwas über die Bäckerei wussten.
Thomas Peuker von der Berufsberatung der Arbeitsagentur glaubt, dass jungen Bewerbern zunehmend die Entschlusskraft fehlt. „Bevor sie sich falsch entscheiden, entscheiden sie sich lieber gar nicht“, sagt er. Die große Herausforderung bestehe darin, die Jugendlichen bei dieser Entscheidung zu begleiten, „ihnen zu helfen“. An mangelnder Schulbildung würden die Arbeitsverhältnisse jedenfalls nicht scheitern. „Wir haben ein gut aufgebautes Berufsschulsystem und gute Übergangsmöglichkeiten.“
Dass noch so viele Stellen unbesetzt sind, liege auch daran, dass „sich 80 Prozent der Jugendlichen auf zehn Berufe stürzen“, darunter etwa der des Kfz-Mechatronikers oder der Arzthelferin. Peuker: „Das ist auch eine Imagesache. Dass man Bäcker oder Bauarbeiter ist, schreibt man vielleicht nicht so gerne bei Facebook. So ist das inzwischen.“
Einige Unternehmen sind wegen des Fachkräftemangels zunehmend besorgt. Das wird auch bei der Industrie- und Handelskammer registriert. „Der Markt ist umkämpft. Die Guten können sich den Ausbildungsplatz inzwischen aussuchen. Dahinter wird es dann aber schon schwieriger“, sagt IHK-Ausbildungsberaterin Petra Homann-Zaller. Viele Jugendliche könnten so bis zum Schluss pokern – und im letzten Moment den Unternehmen noch absagen. Bis zum 1. August wurden bei der IHK 22 geschlossene Ausbildungsverträge noch aufgelöst. So viele, wie noch nie. „Die Kluft zwischen guten und weniger guten Bewerbern ist größer geworden“, so die Ausbildungsberaterin. Zwangsläufig würden einige Firmen bei der Suche auf der Strecke bleiben.
Christine Jansen (21) hat sich die Suche nach einer Lehrstelle einfacher vorgestellt. Die Mutter einer dreijährigen Tochter kämpft derzeit für einen Ausbildungsplatz, absolviert ein Praktikum bei einem Discounter.
Woran es wohl liegt, dass noch 230 Ausbildungsplätze in der Region nicht besetzt sind? „Ich glaube, viele haben einen bestimmten Beruf vor Augen. Und wenn der nichts wird, wird es gar nichts. Viele können sich nicht anpassen.“

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