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Vibrationsalarm meldet Gefahr


Bremerhaven. Der gelernte Kfz-Mechatroniker Sascha Toscani versteht viel von seinem Beruf. Seine Kollegen versteht er hingegen nicht immer – jedenfalls nicht auf Anhieb. Er ist gehörlos. Im Job klappt es trotzdem. Angesichts des hohen Fachkräftebedarfs finden immer mehr junge Menschen mit Handicap einen Arbeitsplatz. Von Yvonne Gotthardt


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Sascha Toscani bei der Arbeit: Der junge Mann ist ein begeisterter „Schrauber“. Was er während seiner Lehre im Kfz-Bereich lernte, setzt er nun in der Windkraftbranche ein. Foto ls

„Er ist ein Mitarbeiter, wie alle anderen auch“, sagt Michael Krey, Produktionsmeister bei Powerwind. Abgesehen davon vielleicht, dass Sascha Toscani immer die Lippen seines Gegenübers sehen muss, um Wörter abzulesen. Wenn es um wichtige Informationen geht, etwa um Arbeitssicherheit, dann steht ihm eine Gebärdendolmetscherin zur Seite, vor Gefahren warnt ein Vibrationsalarm in seiner Tasche, den die Kollegen über einen Schalter aktivieren. 35 Mitarbeiter arbeiten beim Powerwind-Standort in Bremerhaven. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 178 Mitarbeiter.

Für die Erleichterungen im Arbeitsleben von Menschen mit Einschränkungen ist der Integrationsfachdienst zuständig, der Arbeitssuchende dabei unterstützt, trotz ihrer individuellen Handicaps ins Arbeitsleben zu finden. Auch Mechthild Ungar, Leiterin des Integrationsfachdienstes, hat in ihrer Halbjahresstatistik beobachtet, dass sich etwas positiv verändert hat in den Betrieben. Die Bereitschaft der Betriebe, Menschen mit Behinderung einzustellen, sei generell leicht angestiegen. „Voraussetzung ist jedoch nach unserer Erfahrung, dass es sich um geeignete Arbeitsplätze handelt“, sagt Ungar. Thomas Peuker von der Bremerhavener Arbeitsagentur beobachtet ähnliches. „Es sind erstaunlich viele junge Menschen mit Handicap nach der Ausbildung in Arbeit gekommen“, sagt er. Betriebe nähmen Einschränkungen inzwischen ein Stück weit in Kauf. „Es muss einfach passen“, mahnt Peuker, dass immer realistisch geschaut werden müsse, ob eine Beschäftigung wirklich möglich ist.

Bei Sascha Toscani, der nach einem dreimonatigem Praktikum übernommen wurde, passte alles. Er montiert inzwischen Naben für Windkraftanlagen – ein Bereich, in dem ständige Kommunikation mit den Kollegen nicht zwingend erforderlich ist. Dem jungen Mann gefällt es, wie es ist. „Ich mag gerne schrauben“, sagt Toscani und lacht. Vom Arbeitgeber gibt es ebenfalls keine Schwierigkeiten. „Natürlich kann er nicht arbeiten, wo Kommunikation über ein Funkgerät notwendig ist“, sagt Krey. Es müsse einfach die Bereitschaft da sein, im Betrieb einen geeigneten Platz zu finden.

Sascha Toscani hat ihn gefunden, inzwischen versteht er die Kollegen und die Kollegen verstehen ihn. Von Tag zu Tag besser.

Integrationsfachdienst

Aufgabe des Integrationsfachdienstes ist die Unterstützung von Menschen mit Behinderung bei der Suche nach einem geeigneten Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Außerdem gehört die Begleitung bei der Sicherung bestehender Arbeitsverhältnisse, die betriebliche Beratung zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen sowie die individuelle betriebliche Orientierung und Qualifizierung zur Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu den Aufgaben. Kontaktaufnahme ist unter 0471/6999525 möglich.


Artikel vom 29.07.11 - 07:00 Uhr
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