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Über Hürden in die Havenwelten

Mitte. Mühsam hievt sie sich elf, zwölf Meter die steile Rampe zu den Havenwelten hoch, verschnauft kurz, manövriert ihren elektrischen Rollstuhl an die Eingangstür zur Havenplaza, drückt die blaue „Sesam-öffne-dich“-Taste: Nichts öffnet sich. Die Automatik streikt. Für Karin Cordes-Zabel ist es oft Schwerarbeit, sich die Havenwelten zu erobern. Von Susanne Schwan


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Ob Rampe hinauf oder hinab: Die Wege zu den Havenwelten sind für Rollstuhlfahrer wie diese Frau oft Schwerarbeit. Ihr Ehemann (hinten links) weist Havenwelten-Projektleiter Heinz Reichmann auch auf Probleme mit Aufzügen und Türen hin. Foto eer

„Seit es das Mediterraneo gibt, funktioniert der Rollstuhl-Eingang fast nie. Und die Rampen sind zu steil und die Aufzüge an der Glasbrücke zu eng“, ärgert sich der Mann der 39-Jährigen über – seiner Ansicht nach – mangelndes Fingerspitzengefühl der Bau-Planer. „Die Türautomatik ist in Ordnung. Es kann natürlich immer mal Störungen geben“, wirbt Havenwelten-Projektleiter Heinz Reichmann von der Bremerhavener Entwicklungsgesellschaft Alter/Neuer Hafen (Bean) um Verständnis. „Eigentlich“, betont der Ingenieur, „kontrolliert die Stäwog die Türen und Aufzüge täglich.“

Das tröstet Frank und Karin Cordes wenig über die beiden Rampen hinweg, die vom Hafenbecken entlang breiter Stufen zum Plaza-Eingang unter der Glasbrücke führen. „Warum haben die keine Ausruh-Stufe und sind nur auf eigene Gefahr zu benutzen?“ Weil, klärt Helmut Proband vom Amt für Menschen mit Behinderung auf, „die Rampen nachträglich auf unser Drängen hin gebaut wurden, als die Treppen schon da waren.“ Laut Bauvorschrift dürften ausgewiesene Rollstuhlrampen pro Meter höchstens sechs Prozent Steigung ausmachen. Diese Rampe ist steiler und auch länger – anders sei das technisch nicht machbar gewesen, „weil darunter die Notausfahrt der Tiefgarage und Versorgungsleitungen sind.“

Zu kurz gedacht schon bei der Planung, kritisiert Cordes. „Immer muss erst mit Kompromissen nachgebessert werden.“ Auch die Fahrstühle zur Glasbrücke sind ein Dorn in Cordes’ Augen: „Warum sind die nur einseitig befahrbar? Wenn Karin allein unterwegs ist, muss sie sich oben rückwärts durch die enge Tür lavieren.“ Die Architekten, antwortet Ingenieur Reichmann, „haben das für ausreichend befunden. Es ist auch alles eine Kostenfrage.“ Cordes lächelt süffisant: „Und das bei so einem Millionenprojekt.“ Aber alle Vorrichtungen, betont Proband, entsprächen den gesetzlichen Auflagen. Karin Cordes-Zabel kurvt weiter im E-Stuhl durch Klein-Italien zum Ausgang Richtung Museumshafen. An den Flügeltüren ist Schluss mit ihrer Unabhängigkeit – wie zuvor schon am Toiletten-Eingang: Keine Automatik – aus eigener Kraft kann sie die schweren Türen nicht bewegen. „Wir sprechen mit dem Center-Management“, verspricht Proband, „ob das nachgerüstet werden kann.“

Die Rampen sind zu steil, die Aufzüge an der Glasbrücke sind zu eng.

Frank Cordes

Artikel vom 14.10.09 - 10:00 Uhr
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