
Rühl ist Landesvorsitzender der Gewerkschaft, die dem Beamtenbund angeschlossen ist und ihre Mitglieder im Öffentlichen Dienst rekrutiert. Ihr größter Konkurrent ist Verdi. Das ist beim Magistrat so, aber auch bei der stadteigenen Verkehrsgesellschaft Bremerhaven. Wenn hier um den Tarifvertrag verhandelt wird, bleibt Komba allerdings außen vor. Geschäftsführer Robert Haase will nur mit einer Gewerkschaft verhandeln, und das ist die größere von beiden, also Verdi.
Für die Verdi-Mitglieder springt bei den Verhandlungen eine Sonderzulage heraus, die andere Kollegen nicht bekommen. Bei der VGB gibt es eine Erholungsbeihilfe in Höhe von 156 Euro jährlich, bei Hanse-Bus einen Zuschuss zur Altersvorsorge in Höhe von 480 Euro jährlich.
Für die Komba-Gewerkschafter ist dieser Sonderzuschuss auch deshalb unerträglich, weil schließlich alle Kollegen die Lasten tragen, die mit der Geschäftsführung zur Absicherung des Unternehmens verabredet worden sind. Die VGB muss das jährliche Defizit, das die Stadt ausgleicht, halbieren. Dazu verzichten die Mitarbeiter nicht nur auf Zulagen, sondern seit Jahren auch auf Gehaltserhöhungen. Außerdem muss mehr gearbeitet werden.
„Wir haben uns für einen verlässlichen Partner entschieden, mit dem wir den Weg der Restrukturierung gegangen sind“, sagt VGB-Chef Haase. Für ihn ist Verdi als die stärkste Gewerkschaft auch der Tarifpartner. Mit zwei Gewerkschaften will er sich nicht auseinandersetzen.
Das sei beim Magistrat aber so üblich, sagt Rühl. Er hat deshalb beim Oberbürgermeister um Hilfe nachgesucht. Eine Antwort habe er nicht bekommen. Noch hofft er auf eine friedliche Einigung. Aber er schließt nicht aus, dass das Thema auch vor Gericht enden könnte.
„Soll er klagen“, sagt Verdi-Gewerkschafter Gunnar Wegener selbstbewusst zu den Vorwürfen. Und er fordert Komba auf, die eigenen Mitglieder zum Streik zu motivieren, um die Geschäftsführung an den Verhandlungstisch zu zwingen. „Sonst kann man das alles als Silvesterklamauk abtun“, sagt Wegener.
Er sieht die Belegschaft hinter sich versammelt. Auf 80 Prozent schätzt er den Verdi-Organisierungs-Grad im Betrieb. Verdi schließe Tarifverträge ausschließlich für seine Mitglieder ab. Deshalb sei es auch gerechtfertigt, besondere Vorteile für sie herauszuholen. Das habe auch das Bundesarbeitsgericht abgesegnet. Wenn dann die Geschäftsführung die Tarifabschlüsse auf die anderen Mitarbeiter übertrage, sei das nicht mehr die Angelegenheit von Verdi.

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