Vielmehr halte er eine Mischform aus privatwirtschaftlichem und öffentlichem Engagement für realistisch. Anders werde es wohl nicht gehen. „Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen“, sagte Brüggemann. Es könne jedoch keinen Zweifel daran geben, dass das Offshore-Terminal kommen müsse, so Brüggemann weiter. Dies sei ganz entscheidend, damit sich in Zukunft weitere Firmen in Bremerhaven ansiedelten.
Trotz Euro-Schuldenkrise läuft die konjunkturelle Entwicklung im Zwei-Städte-Staat nach Angaben der beiden Kammern auf hohem Niveau. Die Wirtschaftsleistung sei um 3,2 Prozent gestiegen und liege damit knapp über dem Bundesdurchschnitt, sagte der Präses der Handelskammer Bremen, Otto Lamotte. „Es wird investiert, daran besteht kein Zweifel.“ Hauptmotor der positiven Entwicklung sei die Industrie. Mit einer Exportquote von 53 Prozent stehe die Branche im Land Bremen an der Spitze aller Bundesländer. In das laufende Jahr blicken beide Kammern optimistisch.
Für Bremerhaven zog Brüggemann ebenfalls eine positive Bilanz. Die Steuereinnahmen seien 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 12,6 Prozent auf 95,8 Millionen Euro gestiegen, sagte er. In Gesprächen mit der Politik sei es erfreulicherweise gelungen, eine Erhöhung der Gewerbesteuer in Bremerhaven zu verhindern. Denn wenn es darum gehe, neue Unternehmen für die Seestadt zu gewinnen, seien die Standortkosten entscheidend.
Der Hafenumschlag sei im vergangenen Jahr um 21,6 Prozent auf 67 Millionen Tonnen gestiegen. Auch der Automobilumschlag habe 2011 um etwa 30 Prozent zugelegt. „Wir sind damit die Drehscheibe Nummer eins im europäischen Automobilumschlag“, so Brüggemann.
Auch der Tourismus entwickele sich gut. „Die Hotelkapazitäten sind vorzüglich ausgelastet“, sagte der IHK-Vizepräsident. Es gebe Überlegungen, neue Hotels zu bauen. Die Investitionen unter anderem in Auswanderer- und Klimahaus sowie Schiffahrtsmuseum hätten sich gelohnt.
Die geplante Ansiedlung des Möbelhauses Ikea sei für Bremerhaven „eine großartige Sache“, so Brüggemann weiter. Dies werde den Standort weiter beleben und auch für andere ansässige Firmen Kunden bringen. Die Ansiedlung müsse mit den nachvollziehbaren Bedenken der Naturschützer vernünftig in Einklang gebracht werden und dürfe nicht öffentlich zerredet werden, forderte er.
Auch Lamotte betonte, dass die Bremer Handelskammer eine Ansiedlung des Möbelhauses in der Seestadt begrüße und er darin „eine gute Chance für Bremerhaven“ sehe. „Das kommt uns allen zugute“, sagte Lamotte. In Stuhr bei Bremen gibt es bereits ein Ikea-Möbelhaus.
Den Senat forderten die beiden Kammern auf, die Verschuldung des kleinsten Bundeslandes in den Griff zu kriegen. Dazu müssten die Verwaltungsstrukturen weiter verschlankt werden – innerhalb des Zwei-Städte-Staates und auch gemeinsam mit dem niedersächsischen Umland.
